Fremdes..., Gedichte..., Seelisches...

Neu beginnen


Zuerst nach dem Grauen
Überleben lernen.
Misstrauen lernen
Die Zähne zusammen beißen lernen
Sich verschließen lernen
Nichts mehr davon wissen wollen lernen
Durchhalten und kämpfen lernen.

Dann — vielleicht
weil dein Hartsein
dich langsam zu töten beginnt —
dem Leiden einen Namen geben.

Das Schweigen brechen.
Dem Schrei erlauben,
das Herz zu verbrennen
und die Welt
in Asche versinken lassen. Mit trockenen Tränen
das Licht löschen
stumm werden
in der Dunkelheit!

Jetzt — endlich
der Stille lauschen.
Einem anderen Leuchten
Raum geben und sich davon
berühren lassen.

Und dann
leben lernen
hoffen lernen
lächeln lernen
berühren und berührt werden lernen
vertrauen lernen
lieben lernen.

(Luise Reddemann)

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Redaktionelles...

Spendenaufruf


Liebe Leserinnen und Leser,

das vergangene Jahr war das bewegteste meines bisherigen Lebens: Allen Unkenrufen und Schwierigkeiten zum Trotz habe ich zwei Bücher veröffentlicht, von denen eines versehentlich sogar ein „Bestseller“ wurde, und eine eigene Internetzeitung gegründet, den Rubikon.

Ich habe viel ge- und auch erlebt, viel Neues gelernt – und leider aber auch mehr „Ressourcen“ verbraucht, als vorhanden waren, weswegen ich mir gerade eine Rekonvaleszenz-Zeit gönne.

Wenn Sie meine Arbeit schätzen und diese unterstützen möchten, bitte ich um eine kleine Spende, die dazu verwandt werden wird, den Tank wieder etwas aufzufüllen. Diese können Sie hier abgeben: https://www.paypal.me/JensWernicke.

Mit Dank und herzlichen Grüßen für einen schönen Sommer:
Jens Wernicke

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Rezept


(von Mascha Kaléko)

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

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Kindheit


„Es ist leicht zu durchschauen, dass die vermeintliche innere Führungslosigkeit des Kindes eine Schutzbehauptung von Erwachsenen ist, um sich nicht der revolutionären Wahrhaftigkeit des Kindes aussetzen zu müssen, ebenso wie die repressive Erziehungswut von Erwachsenen oder — in unserer Zeit immer verbreiteter — ihre Tendenz, sich dem Bedürfnis der Kinder nach einem klaren, emotional präsenten Gegenüber zu entziehen, Abwehr gegen die lebendige Herausforderung durch diese bedeutet. Uneinfühlsame Erziehung und narzisstischer Selbstbezug sind zwei Formen, mit denen der Erwachsene das Kind — sein äußeres und inneres — gefährdet, verfolgt, verstößt. Die Folge davon ist eine Gesellschaft, die nur den mach- und kaufbaren Dingen huldigt und emotional ein freudloses Schattendasein führt. Das Kind wartet vor der Schwelle, an der es verraten wurde.“

Peter Schellenbaum: „Die Energie des Lebens spüren. Wie Heilung geschieht“, S. 84 f.

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