Fremdes..., Seelisches...

Die Sucht nach Leiden


Es wurde mir deutlich, daß die Aufarbeitung der eigenen Geschichte, die Bewußtwerdung des Unbewußten, eine wichtige Arbeit ist, die anders eingebunden sein muß als in die Struktur des Leidens. Die Energie fließt in den Bereich, auf den wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Konzentrieren wir uns auf das Leiden, verfestigen wir es. Öffnen wir uns für Freude und Spaß am Leben, wird das Leben farbenfroher, reicher und erfüllter.

Ich erkannte, daß ich Freude kultivieren muß, wenn ich Freude in meinem Leben erfahren möchte. Freude ist die Qualität, die dem Herzen entspringt, wenn es sich dem Fluß des Lebens öffnet. Bestimmte Prinzipien erleichtern oder erschweren diesen Zugang. Diese Prinzipien sind Eigenverantwortlichkeit, Vergebung, Dankbarkeit und Dienst am anderen. Diese Begriffe sind nicht neu, und oft werden sie mißverstanden. Von daher will ich kurz erläutern, was sie für mich bedeuten und in welchem Zusammenhang sie mit der Kultivierung der Freude stehen.

Verantwortung hat damit zu tun, daß ich meine Lebensumstände als meine eigene Kreation erkennen kann. Viele Menschen empfinden sich als Opfer des Schicksals. Sie fühlen sich den Umständen ohnmächtig ausgeliefert und haben nicht die Macht oder Kraft, ihre Lage zu ändern. Wenn ich mir die Menschen anschaue, mit denen ich arbeite und die solche Gefühle mitteilen, muß ich oft ihren Eindruck bestätigen. Es fehlt ihnen sowohl an innerer wie körperlicher Kraft und an Selbstdisziplin, diese Kraft aufzubauen. Der Komfort unseres Lebensstils trägt nicht dazu bei, unsere Widerstandskraft und Ausdauer zu stärken. Selbstdisziplin hat einen negativen Beigeschmack als Pflichtübung oder Unterwerfung unter Autorität oder zumindest als Einschränkung unserer persönlichen Freiheit. Uns fehlt ein Verständnis von Selbstdisziplin als Fähigkeit, das zu empfangen, was uns bereits gehört. Um empfangen zu können, brauche ich einen Behälter, in den das Universum seine Gaben hineinschütten kann. Ohne den Behälter versickert die Energie wie ein Fluß, dessen Flußbett ausgeufert ist. Das Flußbett der meisten Menschen, die ich in meiner Praxis sehe, hat unklare Konturen und Löcher, durch die die eigene Lebensenergie wegrieselt. Ihnen fehlt die Kraft, das in ihrem Leben zu erreichen, was sie erreichen möchten. Als erstes muß ich daher das Flußbett so ausbessern, daß es den Fluß der Energie halten und in die gewünschte Richtung lenken kann. Diese Reparaturarbeit oder gar Neukonstruktion erfordert tägliche, disziplinierte Übung. Der Unterschied zu der Autorität von außen liegt darin, daß es meine Wahl ist, meine Verantwortung, ob ich mich dieser Anstrengung unterziehen will, um mein Leben in den Griff zu bekommen, oder nicht.

Weiterlesen: http://www.visioform.com/de/artikel-leidenssucht.htm

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Worte des Lebens


Eine der Tragödien der menschlichen Existenz liegt beim Trauma darin, dass etwas, das als das Leben schützende Fähigkeit beginnt, uns in einer zwanghaften Wiederholung gefangen hält.

Freud sagte über einen Traumatisierten: “Er reproduziert es nicht als eine Erinnerung, sondern als eine Handlung, um sie zu wiederholen; und am Ende verstanden wir, dass dies sein Weg ist, sich zu erinnern.”

Die spezielle Natur der traumatischen Information bedingt das Verhalten des psychischen Wiederaufbaus. Zersplitterte traumatische Erinnerungen und die übersteigerten Bilder und Empfindungen sind kurzfristig lebenserhaltend, aber verhindern langfristig die volle Integration.

Wir inszenieren unsere Vergangenheit überall – zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz, auf dem Spielplatz und auf der Straße. Jeder von uns spielt Rollen in seinem eigenen persönlichen Drama, innerlich hoffend, dass jemand uns ein anderes Drehbuch und einen anderen Ausweg aus diesem Drama gibt, abhängig davon, welche Erfahrungen wir machten. Der Weg zur Heilung versteckt sich in der Krankheit.

Die einzige Möglichkeit des nonverbalen Hirns, zu “sprechen”, ist unser Verhalten. Wenn wir uns Reinszenierungs-Verhalten ansehen, erkennen wir, dass traumatisierte Menschen “ihre Geschichte erzählen”, allerdings auf versteckten Pfaden im Dschungel.

Wenn wir nonverbale Botschaften interpretieren können, können wir vielleicht besser auf diese Hilferufe antworten. Damit Heilung aber geschieht, müssen wir unseren überwältigenden Erfahrungen Worte und Bedeutung verleihen. Traumatisierte sind von Sprache abgeschnitten, haben die Macht der Worte verloren und sind in der Falle sprachlosen Entsetzens.

Weiterlesen: http://www.heilpraxisnet.de/krankheiten/traumatisierung/

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Worte der Liebe


„Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass das Bild, das ich von mir selbst habe, zum größten Teil ein künstliches Produkt ist und dass die meisten Menschen – ich schließe mich nicht aus – lügen, ohne es zu wissen? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass‚ „Verteidigung“ Krieg bedeutet, „Pflicht“ Unterwerfung, „Tugend“ Gehorsam und „Sünde“ Ungehorsam? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass die Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder instinktiv lieben, ein Mythos ist? Dass Ruhm nur selten auf bewundernswerte menschliche Qualitäten und häufig nicht auf echte Leistungen gründet? Dass die Geschichtsschreibung verzerrt ist, weil sie von den Siegern geschrieben wird? Dass betonte Bescheidenheit nicht unbedingt ein Beweis für fehlende Eitelkeit ist? Dass Liebe das Gegenteil von heftiger Sehnsucht und Gier ist? Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass jeder versucht, schlechte Absichten und Handlungen zu rationalisieren, um sie edel und wohltätig erscheinen zu lassen? Dass das Streben nach Macht bedeutet, Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe mit Füßen zu treten? Dass die heutige Industrie-Gesellschaft vom Prinzip der Selbstsucht, des Habens und des Konsumierens bestimmt ist und nicht von den Prinzipien der Liebe und Achtung vor dem Leben, die sie predigt? Wenn ich nicht fähig bin, die unbewussten Aspekte der Gesellschaft, in der ich lebe, zu analysieren, kann ich nicht wissen, wer ich bin, weil ich nicht weiß, in welcher Hinsicht ich nicht ich bin.“

(Erich Fromm)

„Achtung vor einem anderen ist nicht möglich ohne ein wirkliches Kennen des anderen. Fürsorge und Verantwortungsgefühl für einen anderen wären blind, wenn sie nicht von Erkenntnis geleitet würden. Meine Erkenntnis wäre leer, wenn sie nicht von der Fürsorge für den anderen motiviert wäre. Es gibt viele Ebenen der Erkenntnis. Die Erkenntnis, die ein Aspekt der Liebe ist, bleibt nicht an der Oberfläche, sondern dringt zum Kern vor. Sie ist nur möglich, wenn ich mein eigenes Interesse transzendiere und den anderen so sehe, wie er wirklich ist. So kann ich zum Beispiel merken, dass jemand sich ärgert, selbst wenn er es nicht offen zeigt; aber ich kann ihn auch noch tiefer kennen, und dann weiß ich, dass er Angst hat und sich Sorgen macht, dass er sich einsam und schuldig fühlt. Dann weiß ich, dass sein Ärger nur die Manifestation von etwas ist, was tiefer liegt, und ich sehe in ihm dann den verängstigten und verwirrten, das heißt den leidenden und nicht den verärgerten Menschen.“

(Erich Fromm)

„Die meisten Menschen haben Angst, dass sie ihre Freiheit verlieren, wenn sie lieben, und können nicht glauben, dass die Liebe gleichzeitig die größte Entwicklung der Freiheit bedeutet.“

(Erich Fromm)

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Wie verlassen wir die Gefängnisse des Inneren?


Diesen Artikel von Gisela Bergmann-Mausfeld kann ich all jenen, die einen Weg aus ihrem „inneren Gefängnis“ suchen, nur wärmstens empfehlen. Warum? Darum:

diese gefängnisse des Innern
sind schlimmer als die schlimmsten steinernen Verliese
und solange sie nicht geöffnet werden
bleibt all euer Aufruhr
nur eine Gefängnisrevolte
die niedergeschlagen wird
von bestochenen Mitgefangenen
(Peter Weiss)

Und eben auch weil:

„Der Mensch wird am Du zum Ich.“
(Martin Buber)


„Er wird zu dem Ich, dessen Du wir ihm sind.“
(Georg Feuser)

Laurence Heller und Aline LaPierre: Entwicklungstrauma heilen

Laurence Heller und Aline LaPierre: Entwicklungstrauma heilen

Gisela Bergmann-Mausfeld: Pathologische Passung, Mentalisierung und negative therapeutische Reaktion

Gisela Bergmann-Mausfeld: Pathologische Passung, Mentalisierung und negative therapeutische Reaktion

Weiterlesen: http://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00451-006-0289-2.pdf

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Du trägst das Heilmittel in Deinem eigenen Herzen


Die Schäden von emotionaler Misshandlung können nicht an sichtbaren Narben gemessen werden, aber jedes Opfer verliert einen Prozentsatz seiner Leistungsfähigkeit. Und diese Leistungsfähigkeit bleibt so lange verloren, wie das Opfer in dem Kreislauf von „Verstehen“ und „Vergebung“ feststeckt. Der Misshandler hat kein „Recht“ auf Vergebung – solche Wohltaten können nur verdient werden. Und obwohl der Schaden mit Worten angerichtet wurde, kann echte Vergebung nur mit Taten verdient werden. (…)

Wenn du ein Opfer von emotionaler Misshandlung bist, kann es keine Selbst-Hilfe geben, bis du Selbst-Bezüglichkeit lernst. Das bedeutet, deine eigenen Maßstäbe zu entwickeln, für dich selbst zu entscheiden, was „Güte“ wirklich ist. Die kalkulierten Bezeichnungen des Misshandlers zu übernehmen – „Du bist verrückt. Du bist undankbar. Es ist nicht so passiert, wie du sagst“ – setzt nur den Kreislauf fort.

Erwachsene Überlebende von emotionaler Kindesmisshandlung haben nur zwei Wahlmöglichkeiten im Leben: lernen, sich auf sich selbst zu beziehen, oder ein Opfer bleiben. Wenn dein Selbstbild zerfetzt wurde, wenn du tief verletzt wurdest, und man dir das Gefühl gab, die Verletzung wäre nur deine Schuld, wenn du nach Anerkennung bei jenen suchst, die sie nicht verschaffen können oder wollen – spielst du die Rolle, die dir von deinem Misshandler zugewiesen wurde.

Es ist Zeit, aufzuhören, diese Rolle zu spielen, Zeit, dein eigenes Manuskript zu schreiben. Opfer von emotionaler Misshandlung tragen das Heilmittel selbst in ihren Herzen und Seelen. Rettung heißt Selbst-Respekt lernen, den Respekt anderer verdienen, und diesen Respekt zu dem absolut unreduzierbaren erforderlichen Minimum für alle intimen Beziehungen zu machen. Für das emotional misshandelte Kind ergibt sich aus Heilung „Vergebung“ – Vergebung für dich selbst.

Weiterlesen: http://www.vachss.de/mission/dispatches/disp_9408_a.html

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