Fremdes..., Seelisches...

Ich und Du


(Martin Buber, Auszüge)

DEN MENSCHEN, zu dem ich Du sage, erfahre ich nicht. Aber ich stehe in der Beziehung zu ihm, im heiligen Grundwort Ich-Du. Erst wenn ich daraus trete, erfahre ich ihn wieder. Erfahrung ist Du-Ferne. (…)

Das Du begegnet mir von Gnaden – durch Suchen wird es nicht gefunden. Aber daß ich zu ihm das Grundwort Ich-Du spreche, ist Tat meines Wesens, meine Wesenstat.

Das Du begegnet mir. Aber ich trete in die unmittelbare Beziehung zu ihm. So ist die Beziehung Erwähltwerden und Erwählen, Passion und Aktion in einem. (…)

Das Grundwort Ich-Du kann nur mit dem ganzen Wesen gesprochen werden. Die Einsammlung und Verschmelzung zum ganzen Wesen kann nur durch mich, kann nie ohne mich geschehen. Ich werde am Du; Ich werdend spreche ich Du.

Alles wirkliche Leben ist Begegnung.

Die Beziehung zum Du ist unmittelbar. Zwischen Ich und Du steht keine Begrifflichkeit, kein Vorwissen und keine Phantasie; und das Gedächtnis selber verwandelt sich, da es aus der Einzelung in die Ganzheit stürzt. Zwischen Ich und Du steht kein Zweck, keine Gier und keine Vorwegnahme; und die Sehnsucht selber verwandelt sich, da sie aus dem Traum in die Erscheinung stürzt. (…)

Gegenwart (…) gibt es nur insofern, als es Gegenwärtigkeit, Begegnung, Beziehung gibt. Nur dadurch, daß das Du gegenwärtig wird, entsteht Gegenwart. (…) Insofern sich der Mensch an den Dingen genügen läßt, die er erfährt und gebraucht, lebt er in der Vergangenheit, und sein Augenblick ist ohne Präsenz. Er hat nichts als Gegenstände; Gegenstände aber bestehen im Gewesensein. (…)

Wesenheiten werden in der Gegenwart gelebt, Gegenständlichkeiten in der Vergangenheit. (…)

Gefühle begleiten das metaphysische und metapsychische Faktum der Liebe, aber sie machen sie nicht aus; und die Gefühle, die es begleiten, können sehr verschiedener Art sein. Das Gefühl Jesu zum Besessenen ist ein andres als das Gefühl zum Lieblingsjünger; aber die Liebe ist eine. Gefühle werden »gehabt«; die Liebe geschieht. Gefühle wohnen im Menschen, aber der Mensch wohnt in seiner Liebe. Das ist keine Metapher, sondern die Wirklichkeit: die Liebe haftet dem Ich nicht an, so daß sie das Du nur zum »Inhalt«, zum Gegenstand hätte, sie ist zwischen Ich und Du.

Wer dies nicht weiß, mit dem Wesen weiß, kennt die Liebe nicht, ob er auch die Gefühle, die er erlebt, erfährt, genießt und äußert, ihr zurechnen mag. Liebe ist ein welthaftes Wirken. Wer in ihr steht, in ihr schaut, dem lösen sich Menschen aus ihrer Verflochtenheit ins Getriebe; Gute und Böse, Kluge und Törichte, Schöne und Häßliche, einer um den andern wird ihm wirklich und zum Du, das ist, losgemacht, herausgetreten, einzig und gegenüber wesend; Ausschließlichkeit ersteht wunderbar Mal um Mal – und so kann er wirken, kann helfen, heilen, erziehen, erheben, erlösen. Liebe ist die Verantwortung eines Ich für ein Du: hierin besteht, die in keinerlei Gefühl bestehen kann, die Gleichheit aller Liebenden, vom kleinsten bis zum größten und von dem selig Geborgenen, dem sein Leben in dem eines geliebten Menschen beschlossen ist, zu dem lebelang ans Kreuz der Welt Geschlagenen, der das Ungeheure vermag und wagt: die Menschen zu lieben. (…)

Jedes Wort würde fälschen; aber sieh, die Wesen leben um dich her, und auf welches du zugehst, du kommst immer zum Wesen. (…) Die Sehnsucht geht nach der welthaften Verbundenheit des zum Geiste aufgebrochenen Wesens mit seinem wahren Du.

Jedes werdende Menschenkind ruht, wie alles werdende Wesen, im Schoß der großen Mutter: der ungeschieden vorgestaltigen Urwelt. Von ihr auch löst es sich ins persönliche Leben (…). Aber jene Ablösung geschieht nicht, wie die von der leiblichen Mutter, plötzlich und katastrophal; es ist dem Menschenkind Frist gewährt, für die verloren gehende, naturhafte Verbundenheit mit der Welt geisthafte, das ist Beziehung, einzutauschen. (…) Die Schöpfung offenbart ihre Gestaltigkeit in der Begegnung; sie schüttet sich nicht in die wartenden Sinne, sie hebt sich den fassenden entgegen. (…)

Der Mensch wird am Du zum Ich. Gegenüber kommt und entschwindet, Beziehungsereignisse verdichten sich und zerstieben, und im Wechsel klärt sich, von Mal zu Mal wachsend, das Bewußtsein des gleichbleibenden Partners, das Ichbewußtsein. (…) Das Ich [steht] sich selbst, dem abgelösten, einen Augenblick gegenüber, um alsbald von sich Besitz zu ergreifen und fortan in seiner Bewußtheit in die Beziehungen zu treten. (…) Geist in seiner menschlichen Kundgebung ist Antwort des Menschen an sein Du. (…) Geist ist Wort. (…) In Wahrheit nämlich steckt die Sprache nicht im Menschen, sondern der Mensch steht in der Sprache und redet aus ihr, – so alles Wort, so aller Geist. Geist ist nicht im Ich, sondern zwischen Ich und Du. (…) Der Mensch lebt im Geist, wenn er seinem Du zu antworten vermag. Er vermag es, wenn er in die Beziehung mit seinem ganzen Wesen eintritt. Vermöge seiner Beziehungskraft allein vermag der Mensch im Geist zu leben. (…)

Die wahre Gemeinde entsteht nicht dadurch, daß Leute Gefühle füreinander haben (wiewohl freilich auch nicht ohne das), sondern durch diese zwei Dinge: daß sie alle zu einer lebendigen Mitte in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen und daß sie untereinander in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen. Das zweite entspringt aus dem ersten, ist aber noch nicht mit ihm allein gegeben. Lebendig gegenseitige Beziehung schließt Gefühle ein, aber sie stammt nicht von ihnen. Die Gemeinde baut sich aus der lebendig gegenseitigen Beziehung auf, aber der Baumeister ist die lebendige wirkende Mitte.

Auch Einrichtungen des sogenannten persönlichen Lebens können nicht aus dem freien Gefühl erneuert werden (wiewohl freilich nicht ohne es). Die Ehe etwa wird sich nie aus etwas andrem erneuern, als woraus allzeit die wahre Ehe entsteht: daß zwei Menschen einander das Du offenbaren. Daraus baut das Du, das keinem von beiden Ich ist, die Ehe auf. Dies ist das metaphysische und metapsychische Faktum der Liebe, das von den Liebesgefühlen nur begleitet wird.

Weiterlesen: http://www.celtoslavica.de/sophia/Buber.html

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Wer wir sind und werden könnten


Deine Prägung hat begonnen, als deine Eltern dich gezeugt haben. Die Umstände deiner Zeugung haben die Einstellung deiner Mutter zu dir geprägt und bei dir ist das Grundmuster der symbiotischen Beziehung zu deiner Mutter entstanden. Daraus entwickelt sich entweder eine natürliche, gesunde Symbiose oder ein Symbiosetrauma.

  • Haben deine Eltern aus Liebe miteinander geschlafen und sich gewünscht, dabei ein Kind zu zeugen, dann war deine Mutter glücklich und hat sich auf dich gefreut. Du hast dich willkommen und geliebt gefühlt (gesunde Symbiose). „Ich bin willkommen!“
  • Wollten deine Eltern ihren eigenen Eltern gefallen und haben ein Kind gezeugt, um die Illusion der „perfekten Familie“ zu leben, dann hatte deine Mutter riesige Erwartungen an dich. Sie wollte, dass du sie stolz machst. Es ging von Anfang an nicht um dich, du warst dazu bestimmt, die Vorstellungen anderer zu erfüllen (Symbiosetrauma). „Ich bin nur dann wertvoll, wenn ich andere glücklich mache!“
  • Wenn deine Mutter nur ihre eheliche Pflicht erfüllt hat und dabei mehr oder weniger zufällig schwanger wurde, dann hat sie das vielleicht erst spät bemerkt und dich als Teil ihrer Pflicht betrachtet. Du wurdest nicht bemerkt und hattest das Gefühl, nichts wert zu sein (Symbiosetrauma). „Niemand interessiert sich für mich!“
  • Vielleicht war es unverbindlicher Sex nach einer durchgefeierten Nacht und die Zeugung war ein „Unfall“. Die Erkenntnis schwanger zu sein war für deine Mutter ein Schock, aber sie hat dich behalten weil eine Abtreibung nicht infrage kam. Du durftest bleiben, hast dich aber nicht geliebt gefühlt (Symbiosetrauma). „Es ist nicht wichtig ob ich da bin, mich liebt eh keiner!“
  • Möglicherweise wollte dein Vater deine Mutter verlassen und sie wurde ohne sein Einverständnis schwanger, in der Hoffnung dass er dann bleibt und alles wieder gut wird. Deine Mutter hat all ihre Hoffnung, endlich geliebt zu werden, in diese Schwangerschaft gelegt. Du warst von Anfang an überfordert (Symbiosetrauma). „Ich muss ständig für die Bedürfnisse anderer Da sein!“
  • Oder deine Mutter wurde vergewaltigt und die daraus entstandene Schwangerschaft war für sie eine Katastrophe. Sie musste dich behalten, weil eine Abtreibung nicht möglich war, obwohl sie dich lieber losgeworden wäre. Du wurdest abgelehnt und hattest das Gefühl, gehasst zu werden (Symbiosetrauma). „Ich bin schlecht und ich bin es nicht wert geliebt zu werden!“

Der so in dir entstandene Glaubenssatz ist prägend für dein späteres Beziehungsverhalten.

Die perfekte Symbiose!

Egal, wie es dazu kam, jetzt bist du im Bauch deiner Mutter, in einer symbiotischen Beziehung, wie sie schöner nicht sein kann. Es ist warm und kuschelig, du fühlst dich sicher, du wirst über die Nabelschnur mit allem versorgt, was zum Überleben nötig ist und musst dich um nichts kümmern, deine Bedürfnisse werden befriedigt, bevor du sie wahrnimmst, es ist perfekt – wie im Paradies. Für neun Monate bist du mit deiner Mutter zu einer Einheit verschmolzen, du kannst nicht zwischen dir und ihr unterscheiden und alles was sie in diesen neun Monaten erlebt, wird unmittelbar zu deiner Erfahrung. Du fühlst, was sie fühlt, teilst ihre Hoffnungen, ihre Erwartungen, ihre Ängste, ihren Schmerz, ihre Freude, ihre Leidenschaft… Egal, was passiert, du kannst nichts dagegen tun, musst es ertragen – du steckst fest und kannst nicht entkommen.

Von der Symbiose zum Symbiosetrauma!

Nach spätestens neun Monaten kommt der Tag, an dem du den Bauch deiner Mutter verlassen musst. Gleich nachdem du den warmen und kuscheligen Raum der Geborgenheit verlassen hast, wird deine Nabelschnur durchtrennt. Die Verbindung zu deiner Mutter, die Garantie für Versorgung und Sicherheit, ist plötzlich weg! Was für ein Schock! Du hast keine Vorstellung, wie es jetzt weiter gehen soll. Wer wird dich jetzt versorgen, wer wird sich um deine Bedürfnisse kümmern? Du bist hilflos, ausgeliefert, verloren und hast Todesangst! Wenn deine Mutter sich auf dich gefreut hat und dich liebt, ist sie jetzt für dich da und du bist wieder in Sicherheit. Ist sie jedoch nicht sofort oder gar nicht für dich da, wird jetzt aus der perfekten Symbiose ein Symbiosetrauma.

Nach der Geburt (für ca. 3 Jahre) ist es die aktive Aufgabe deiner Mutter, all deine Bedürfnisse wahrzunehmen und die Rundumversorgung fortzusetzen. Du bist noch vollkommen unselbstständig und von ihr abhängig, egal, wie oft sie dich enttäuscht, du hast keine Wahl und musst ihr vertrauen. Du brauchst deine Mutter als Spiegel, sie muss dir deine Gefühle reflektieren und erklären. So lernst du dich selbst, getrennt von ihr, als eigenständiges Wesen kennen. Wenn du lachst, muss sie auch lachen, wenn du Aua sagst, muss deine Mutter dir bestätigen, dass du Schmerzen hast. Du musst dich in ihr wiedererkennen und brauchst ihre Bestätigung, um dich sicher und berechtigt zu fühlen. Ohne ihre zuverlässige Bindung bist du in Lebensgefahr! „Mama – ohne deine Bestätigung bin ich nichts.“

Das Symbiosetrauma und die damit einhergehende Verstrickung entstehen, wenn deine Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden, deine Mutter jedoch ihre Bedürfnisse an dich richtet und erwartet, dass du diese befriedigst. So kommt es nicht zur vollständigen Abnabelung, du kannst dich nicht zu einem autonomen, selbsterfüllten Menschen entwickeln. Es bleiben unerfüllte Bedürfnisse in dir zurück, die du scheinbar nur befriedigen kannst, wenn du dich um die Bedürfnisse anderer kümmerst. Die Nabelschnur bleibt die Verbindung zu deiner Mutter, und zwar dein Leben lang – auch dann, wenn deine Mutter gestorben ist, die Verbindung lebt in dir und du hältst sie aufrecht.

Für immer dein!

In der Pubertät beginnst du dich von deinem Elternhaus zu lösen und suchst nach neuen Wegen, um deine Bedürfnisse zu befriedigen. Du suchst nach Partnern, die dich ergänzen und vollständig machen. Am Anfang einer neuen Beziehung, wenn die Sexualität im Vordergrund steht und die Hormone die gemeinsame Zeit bestimmen, funktioniert das auch. Du fühlst dich so gut wie schon lange nicht, so stark und endlich glücklich, du könntest die ganze Welt umarmen. Bis du eines Morgens neben deiner Mutter aufwachst, es aber nicht bemerkst. An diesem Tag fängst du an, mehr zu erwarten, du wirst kritischer und bemerkst, dass auch diesmal etwas fehlt.

Du willst auch mal wieder nur für dich sein, dein Ding machen und erträgst es nicht, dass dein Partner ständig an dir klebt und dir keine Luft zum Atmen lässt. Oder du kommst einfach nicht damit klar, dass dein Partner immer unterwegs ist und nie Zeit für dich hat, obwohl du dir das so sehr wünschst. Das ist der Anfang einer Beziehungskrise. Du gleitest von einer Symbiose in dein Symbiosetrauma.

Du suchst dir nicht nur einen Partner, der die Leere in dir ausfüllen soll, sondern du entscheidest dich für einen Partner, der sich genauso verhält wie deine Mutter. Ein Partner, der dich, genau wie sie es getan hat, entweder vereinnahmt oder ablehnt, erfüllt alle Programme, die du brauchst, um deine Abwehr-, Überlebens- und Anpassungsstrategien aufrecht zu erhalten. Obwohl du ihn ständig bekämpfst, hast du bei diesem Partner das Gefühl, in Sicherheit zu sein. Es fühlt sich genauso an wie Zuhause bei Mama, eigentlich ist es unerträglich, aber es ist das, was du kennst! Deinem Partner geht es ganz genauso, ihr repräsentiert euch gegenseitig und gleichzeitig – eure Mama. Solange beide mitspielen und keiner anfängt, Fragen zu stellen, ist das eine ganz „normale, harmonische“ Partnerschaft. Und genau diese Illusion – ist die Katastrophe. Ihr benutzt euch gegenseitig, um euer Symbiosetrauma zu wiederholen! Wenn du das erkennst, bietet dir jeder Partner die Möglichkeit, tiefer in dein Beziehungsmuster einzudringen und dein Symbiosetrauma zu erkennen.

Weiterlesen: https://meeresperle.de/therapie/therapiethemen/symbiosetrauma

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Die Sucht nach Leiden


Es wurde mir deutlich, daß die Aufarbeitung der eigenen Geschichte, die Bewußtwerdung des Unbewußten, eine wichtige Arbeit ist, die anders eingebunden sein muß als in die Struktur des Leidens. Die Energie fließt in den Bereich, auf den wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Konzentrieren wir uns auf das Leiden, verfestigen wir es. Öffnen wir uns für Freude und Spaß am Leben, wird das Leben farbenfroher, reicher und erfüllter.

Ich erkannte, daß ich Freude kultivieren muß, wenn ich Freude in meinem Leben erfahren möchte. Freude ist die Qualität, die dem Herzen entspringt, wenn es sich dem Fluß des Lebens öffnet. Bestimmte Prinzipien erleichtern oder erschweren diesen Zugang. Diese Prinzipien sind Eigenverantwortlichkeit, Vergebung, Dankbarkeit und Dienst am anderen. Diese Begriffe sind nicht neu, und oft werden sie mißverstanden. Von daher will ich kurz erläutern, was sie für mich bedeuten und in welchem Zusammenhang sie mit der Kultivierung der Freude stehen.

Verantwortung hat damit zu tun, daß ich meine Lebensumstände als meine eigene Kreation erkennen kann. Viele Menschen empfinden sich als Opfer des Schicksals. Sie fühlen sich den Umständen ohnmächtig ausgeliefert und haben nicht die Macht oder Kraft, ihre Lage zu ändern. Wenn ich mir die Menschen anschaue, mit denen ich arbeite und die solche Gefühle mitteilen, muß ich oft ihren Eindruck bestätigen. Es fehlt ihnen sowohl an innerer wie körperlicher Kraft und an Selbstdisziplin, diese Kraft aufzubauen. Der Komfort unseres Lebensstils trägt nicht dazu bei, unsere Widerstandskraft und Ausdauer zu stärken. Selbstdisziplin hat einen negativen Beigeschmack als Pflichtübung oder Unterwerfung unter Autorität oder zumindest als Einschränkung unserer persönlichen Freiheit. Uns fehlt ein Verständnis von Selbstdisziplin als Fähigkeit, das zu empfangen, was uns bereits gehört. Um empfangen zu können, brauche ich einen Behälter, in den das Universum seine Gaben hineinschütten kann. Ohne den Behälter versickert die Energie wie ein Fluß, dessen Flußbett ausgeufert ist. Das Flußbett der meisten Menschen, die ich in meiner Praxis sehe, hat unklare Konturen und Löcher, durch die die eigene Lebensenergie wegrieselt. Ihnen fehlt die Kraft, das in ihrem Leben zu erreichen, was sie erreichen möchten. Als erstes muß ich daher das Flußbett so ausbessern, daß es den Fluß der Energie halten und in die gewünschte Richtung lenken kann. Diese Reparaturarbeit oder gar Neukonstruktion erfordert tägliche, disziplinierte Übung. Der Unterschied zu der Autorität von außen liegt darin, daß es meine Wahl ist, meine Verantwortung, ob ich mich dieser Anstrengung unterziehen will, um mein Leben in den Griff zu bekommen, oder nicht.

Weiterlesen: http://www.visioform.com/de/artikel-leidenssucht.htm

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Worte des Lebens


Eine der Tragödien der menschlichen Existenz liegt beim Trauma darin, dass etwas, das als das Leben schützende Fähigkeit beginnt, uns in einer zwanghaften Wiederholung gefangen hält.

Freud sagte über einen Traumatisierten: “Er reproduziert es nicht als eine Erinnerung, sondern als eine Handlung, um sie zu wiederholen; und am Ende verstanden wir, dass dies sein Weg ist, sich zu erinnern.”

Die spezielle Natur der traumatischen Information bedingt das Verhalten des psychischen Wiederaufbaus. Zersplitterte traumatische Erinnerungen und die übersteigerten Bilder und Empfindungen sind kurzfristig lebenserhaltend, aber verhindern langfristig die volle Integration.

Wir inszenieren unsere Vergangenheit überall – zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz, auf dem Spielplatz und auf der Straße. Jeder von uns spielt Rollen in seinem eigenen persönlichen Drama, innerlich hoffend, dass jemand uns ein anderes Drehbuch und einen anderen Ausweg aus diesem Drama gibt, abhängig davon, welche Erfahrungen wir machten. Der Weg zur Heilung versteckt sich in der Krankheit.

Die einzige Möglichkeit des nonverbalen Hirns, zu “sprechen”, ist unser Verhalten. Wenn wir uns Reinszenierungs-Verhalten ansehen, erkennen wir, dass traumatisierte Menschen “ihre Geschichte erzählen”, allerdings auf versteckten Pfaden im Dschungel.

Wenn wir nonverbale Botschaften interpretieren können, können wir vielleicht besser auf diese Hilferufe antworten. Damit Heilung aber geschieht, müssen wir unseren überwältigenden Erfahrungen Worte und Bedeutung verleihen. Traumatisierte sind von Sprache abgeschnitten, haben die Macht der Worte verloren und sind in der Falle sprachlosen Entsetzens.

Weiterlesen: http://www.heilpraxisnet.de/krankheiten/traumatisierung/

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Worte der Liebe


„Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass das Bild, das ich von mir selbst habe, zum größten Teil ein künstliches Produkt ist und dass die meisten Menschen – ich schließe mich nicht aus – lügen, ohne es zu wissen? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass‚ „Verteidigung“ Krieg bedeutet, „Pflicht“ Unterwerfung, „Tugend“ Gehorsam und „Sünde“ Ungehorsam? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass die Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder instinktiv lieben, ein Mythos ist? Dass Ruhm nur selten auf bewundernswerte menschliche Qualitäten und häufig nicht auf echte Leistungen gründet? Dass die Geschichtsschreibung verzerrt ist, weil sie von den Siegern geschrieben wird? Dass betonte Bescheidenheit nicht unbedingt ein Beweis für fehlende Eitelkeit ist? Dass Liebe das Gegenteil von heftiger Sehnsucht und Gier ist? Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass jeder versucht, schlechte Absichten und Handlungen zu rationalisieren, um sie edel und wohltätig erscheinen zu lassen? Dass das Streben nach Macht bedeutet, Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe mit Füßen zu treten? Dass die heutige Industrie-Gesellschaft vom Prinzip der Selbstsucht, des Habens und des Konsumierens bestimmt ist und nicht von den Prinzipien der Liebe und Achtung vor dem Leben, die sie predigt? Wenn ich nicht fähig bin, die unbewussten Aspekte der Gesellschaft, in der ich lebe, zu analysieren, kann ich nicht wissen, wer ich bin, weil ich nicht weiß, in welcher Hinsicht ich nicht ich bin.“

(Erich Fromm)

„Achtung vor einem anderen ist nicht möglich ohne ein wirkliches Kennen des anderen. Fürsorge und Verantwortungsgefühl für einen anderen wären blind, wenn sie nicht von Erkenntnis geleitet würden. Meine Erkenntnis wäre leer, wenn sie nicht von der Fürsorge für den anderen motiviert wäre. Es gibt viele Ebenen der Erkenntnis. Die Erkenntnis, die ein Aspekt der Liebe ist, bleibt nicht an der Oberfläche, sondern dringt zum Kern vor. Sie ist nur möglich, wenn ich mein eigenes Interesse transzendiere und den anderen so sehe, wie er wirklich ist. So kann ich zum Beispiel merken, dass jemand sich ärgert, selbst wenn er es nicht offen zeigt; aber ich kann ihn auch noch tiefer kennen, und dann weiß ich, dass er Angst hat und sich Sorgen macht, dass er sich einsam und schuldig fühlt. Dann weiß ich, dass sein Ärger nur die Manifestation von etwas ist, was tiefer liegt, und ich sehe in ihm dann den verängstigten und verwirrten, das heißt den leidenden und nicht den verärgerten Menschen.“

(Erich Fromm)

„Die meisten Menschen haben Angst, dass sie ihre Freiheit verlieren, wenn sie lieben, und können nicht glauben, dass die Liebe gleichzeitig die größte Entwicklung der Freiheit bedeutet.“

(Erich Fromm)

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Wie verlassen wir die Gefängnisse des Inneren?


Diesen Artikel von Gisela Bergmann-Mausfeld kann ich all jenen, die einen Weg aus ihrem „inneren Gefängnis“ suchen, nur wärmstens empfehlen. Warum? Darum:

diese gefängnisse des Innern
sind schlimmer als die schlimmsten steinernen Verliese
und solange sie nicht geöffnet werden
bleibt all euer Aufruhr
nur eine Gefängnisrevolte
die niedergeschlagen wird
von bestochenen Mitgefangenen
(Peter Weiss)

Und eben auch weil:

„Der Mensch wird am Du zum Ich.“
(Martin Buber)


„Er wird zu dem Ich, dessen Du wir ihm sind.“
(Georg Feuser)

Laurence Heller und Aline LaPierre: Entwicklungstrauma heilen

Laurence Heller und Aline LaPierre: Entwicklungstrauma heilen

Gisela Bergmann-Mausfeld: Pathologische Passung, Mentalisierung und negative therapeutische Reaktion

Gisela Bergmann-Mausfeld: Pathologische Passung, Mentalisierung und negative therapeutische Reaktion

Weiterlesen: http://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00451-006-0289-2.pdf

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Du trägst das Heilmittel in Deinem eigenen Herzen


Die Schäden von emotionaler Misshandlung können nicht an sichtbaren Narben gemessen werden, aber jedes Opfer verliert einen Prozentsatz seiner Leistungsfähigkeit. Und diese Leistungsfähigkeit bleibt so lange verloren, wie das Opfer in dem Kreislauf von „Verstehen“ und „Vergebung“ feststeckt. Der Misshandler hat kein „Recht“ auf Vergebung – solche Wohltaten können nur verdient werden. Und obwohl der Schaden mit Worten angerichtet wurde, kann echte Vergebung nur mit Taten verdient werden. (…)

Wenn du ein Opfer von emotionaler Misshandlung bist, kann es keine Selbst-Hilfe geben, bis du Selbst-Bezüglichkeit lernst. Das bedeutet, deine eigenen Maßstäbe zu entwickeln, für dich selbst zu entscheiden, was „Güte“ wirklich ist. Die kalkulierten Bezeichnungen des Misshandlers zu übernehmen – „Du bist verrückt. Du bist undankbar. Es ist nicht so passiert, wie du sagst“ – setzt nur den Kreislauf fort.

Erwachsene Überlebende von emotionaler Kindesmisshandlung haben nur zwei Wahlmöglichkeiten im Leben: lernen, sich auf sich selbst zu beziehen, oder ein Opfer bleiben. Wenn dein Selbstbild zerfetzt wurde, wenn du tief verletzt wurdest, und man dir das Gefühl gab, die Verletzung wäre nur deine Schuld, wenn du nach Anerkennung bei jenen suchst, die sie nicht verschaffen können oder wollen – spielst du die Rolle, die dir von deinem Misshandler zugewiesen wurde.

Es ist Zeit, aufzuhören, diese Rolle zu spielen, Zeit, dein eigenes Manuskript zu schreiben. Opfer von emotionaler Misshandlung tragen das Heilmittel selbst in ihren Herzen und Seelen. Rettung heißt Selbst-Respekt lernen, den Respekt anderer verdienen, und diesen Respekt zu dem absolut unreduzierbaren erforderlichen Minimum für alle intimen Beziehungen zu machen. Für das emotional misshandelte Kind ergibt sich aus Heilung „Vergebung“ – Vergebung für dich selbst.

Weiterlesen: http://www.vachss.de/mission/dispatches/disp_9408_a.html

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