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Symbiotische und „reife“ Beziehung


In einer reifen Beziehung sind beide Partner „bei sich selbst“, das macht sie anziehend für den anderen. Bindung entsteht durch Anziehung, „Attraktion“. Beide fühlen sich frei, sich zu verändern, zu wachsen. Diese Veränderung erlebt der Partner als lebendig, als anziehend. Zwei Menschen, die in dieser Form den anderen achten, so wie er ist, können eine Beziehung leben, die von Respekt und Auseinandersetzung bestimmt ist und beiden Wachstum ermöglicht. Daraus entsteht eine tiefe Bindung.

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Trauma und Schuld


Es ist unglaublich und immer wieder niederschmetternd, wie viele Betroffene sich selbst die Schuld geben an dem, was ihnen passiert ist. Es macht mich immer wieder traurig und wütend zugleich, dass gerade wenn eine Traumatisierung von einer Person ausgelöst wurde, das Opfer die Verantwortung für die Handlung der Täters übernimmt.

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Weisheit zum Thema Gefühle: Die Geschichte von den zwei Wölfen


Wir verspüren die Gefühle, die wir nähren. Davon handelt diese Weisheit.

Ein Indianerhäuptling erzählt seinem Sohn folgende Geschichte.

„Mein Sohn, in jedem von uns tobt ein Kampf zwischen 2 Wölfen.

Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Angst, Sorgen, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst.

Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.“

Der Sohn frägt: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt den Kampf?“

Der Häuptling antwortet ihm: „Der, den du fütterst.“

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Seelisches...

Liebe und Illusion


„Die Bejahung des eigenen Lebens, des Glückes, des Wachstums und der Freiheit wurzelt in meiner eigenen Liebesfähigkeit: in meiner Fürsorge, meiner Achtung, meinem Verantwortungsgefühl und meiner Erkenntnis. Ein Mensch, der produktiv lieben kann, liebt auch sich selbst. Kann er nur andere lieben, so kann er überhaupt nicht lieben.“

Erich Fromm

„Infantile Liebe folgt dem Prinzip: ‚Ich liebe, weil ich geliebt werde.‘
Reife Liebe folgt dem Prinzip: ‚Ich werde geliebt, weil ich liebe.‘
Unreife Liebe sagt: ‚Ich liebe dich, weil ich dich brauche.‘
Reife Liebe sagt: ‚Ich brauche dich, weil ich dich liebe.'“

Erich Fromm

Die Liebe ist die stärkste Kraft in unserem Leben. Wir alle möchten lieben und geliebt werden. Verspüren eine existentielle Sehnsucht hiernach.
Die Liebe dient dem Leben. Nur durch sie entfalten und entwickeln und verändern wir uns, integrieren neue Erfahrungen und werden mehr als was wir bisher schon sind.
Sie ist es, die uns Grund ist, mutig zu sein, uns zu öffnen, verletzbar zu machen und hinterfragen. Sie ist es auch, die uns hoffen und ahnen, eine Sehnsucht nach Wachstum und Entwicklung verspüren lässt.
Das vermag nur die Liebe. Die Angst vermag das nicht.
Liebe macht groß und integriert Neues. Angst macht klein, eng, verhindert persönliche Entwicklung und Integration.
Oft berühren uns einzelne Eigenschaften oder Fähigkeiten anderer Menschen so tief, dass es uns warm ums Herz wird, unsere Liebe sich regt. Und immer ist dies auch Ausdruck der Liebe zum Leben selbst, die sich als Liebe zu einem anderen, Neugier und Sehnsucht da ins uns regt und zu offenbaren beginnt.
Das deshalb, weil sich in dem, was unsere Liebe im anderen liebt, etwas Besonderes, etwas Großes und Ganzes, etwas Lebendiges offenbart, nach dem auch unsere Seele sich sehnt. Wir lieben im anderen dessen bereits entfaltetes Lebenspotential – als Vorbildung und Abbild der Entfaltung desselben auch in uns.
Liebe bedeutet daher Leben, meint immer Wachstum und Veränderung mit dem Ziel der Entwicklung und Entfaltung des eigenen Potentials.

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Doch ist all das Liebe, was wir täglich beobachten? Was Menschen einander tun? Nein, das ist es nicht. Sehr oft handelt es sich bei dem, was wir für Liebe halten, in Wirklichkeit um „Liebesillusionen“.
Franz Ruppert hat in seinen bemerkenswerten Arbeiten zum Thema herausgearbeitet, dass ein „Trauma der Liebe“, hervorgerufen durch eine Frustrierung des Urbedürfnisses nach Liebe, Geborgenheit, Spiegelung und Sicherheit in unserer Kindheit, eine so lebensbedrohliche Erfahrung darstellt, dass unsere Seele hierauf nur mit einer seelischen Spaltung zu reagieren vermag.
Das Trauma der Liebe ist das Ur-Trauma, das uns Menschen zu verletzen und schädigen vermag. Und eine Art Verletzung, für die fast die gesamte Gesellschaft, in der wir leben, blind ist, sodass das aus ihm resultierende Leiden unbemerkt das Leben vieler Menschen bestimmt und von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Wird ein Kind in seiner bedingungslosen Liebe zu seinen Eltern enttäuscht oder schlimmer noch zu Tode geängstigt, vermag es in seinen Eltern die Liebe und damit den Zugang zu sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen nicht zu finden, hat es nur eine Wahl: Es identifiziert sich mit den nicht anwesenden, nicht liebesfähigen Eltern und nimmt als seine Lebensrealität und -erwartung eben nicht den bedingungslosen Glauben in seine eigen Realität und seine Empfindungen in sich auf, sondern die Traumarealität und Vernachlässigung, die ihm als einziges Modell für „Leben“ verfügbar sind.

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In Folge wird es lernen, die Gefühle seiner Eltern zu fühlen und sich selbst und seine eigenen zu verleugnen, es spaltet sie ab. Nur so kann es im illusionären Kontakt zu den Eltern „Beziehung“ erleben. Würde es sich selbst und seinen eigenen Regungen folgen, drohte Bindungs- und Beziehungsabbruch, drohten ggf. Terror, Not oder sogar der Tod.
Statt der Liebe zu sich, die es von außen erlernen muss, und aus der eines Tages eine Liebe zum Leben zu erwachsen vermag, verinnerlicht es seinen eigenen Missbrauch als Lebenskonzept: Ich bin nichts wert, ich habe es nicht verdient, geliebt zu werden, ich muss hart daran arbeiten, die Liebe von anderen „zu erwerben“ – all so etwas muss das Kind glauben und als vermeintliche Wahrheiten in sich aufnehmen, weil es nur so zu überleben vermag.

Es wird sich später im Leben nicht kennen. Immer seinen eigenen Gefühlen und Regungen misstrauen. Und versuchen, in der Anpassung an andere Liebe und Sicherheit zu finden. Es wird kein Verständnis dafür haben, dass Liebe nicht meint, Anerkennung für Leistung oder Aufopferung zu erhalten, sondern eben, das Leben selbst und also eine andere Person mit all ihren Eigenschaften, Stärken wie Schwächen, zu bejahen, ihr gesamtes Sein. Ohne dass hierfür etwas getan werden muss.

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Die Realität dieser Kinder ist nachhaltig verzerrt. Sie sehen die Welt nicht so, wie sie wirklich ist, sondern immer durch die in die eigene Seele aufgenommen Lügen der frühen Entbehrungen. Oft suchen sie sich misshandelnde oder zu Liebe unfähige Partner.
Sie sind in der Lage, sich einzureden, dass der Partner, der sie schlägt, sie eigentlich liebe; und sie vermögen, einen Eisblock aus ganzem Herzen zu lieben und sich einzureden, wenn sie nur genug an sich arbeiteten und nur mehr und immer mehr liebten, taute er eines Tages auf.
Das ist nicht Liebe. Das sind Liebesillusionen.
Es handelt sich um die ständige Wiederholung der Überlebenszwänge der Kindheit – ohne wirklichen Kontakt zur Realität, wie diese im Hier und Heute vorhanden ist.
Der einzige Weg aus diesen ständigen Reinszenierungen des eigenen Ur-Traumas und also Leidens hinaus, besteht darin, zu erkennen, dass es im Hier und Heute nicht mehr das Leben ist, das einen unterdrückt; und vor allem, dass man der Not und dem Elend, das einem begegnet, im Hier und Heute nicht mehr hilflos ausgesetzt ist.
Wichtige Fragen lauten: Wer bin ich? Und was ist wirklich Liebe für mich?
Seit fast zwei Jahrzehnten bin ich auf der Suche nach den Antworten hierauf.

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Die eigenen Illusionen und Muster zu erkennen, ist aber nur der erste Schritt in Richtung Heilung. Denn in dem Moment, wo man die Muster und Illusionen mutig als solche zu benennen beginnt, kommt all das Verdrängte hoch, all der Schmerz, zu dessen Abwehr die Realitätsverleugnung einst etabliert worden ist.
Die auf diese Art und Weise verletzten Kinder sind tief verletzt, liebesbedürftig und strahlen oft große Liebe und Weisheit aus. Aber selbst wenn sie sich auf den Weg machen, zu heilen, scheitern sie oft an einem finalen Schritt.
Denn der Hass auf die eigene Lebendigkeit und Liebe, der aufgrund der frühen Entbehrungen als Selbsthass in ihre Seele eingebrannt ist, er ist die schlimmste und kaum zu überwindende Hürde auf dem Weg zur Wahrheit, zu wirklicher Liebe und Glück.
Selbst dann, wenn Menschen wie ich ihre eigenen Misshandlungen anerkennen, selbst, wenn sie den Schmerz und die Todesangst wieder ins Leben geholt haben: eines bleibt. Den Hass auf sich selbst, der die Abspaltung absichert, zu überwinden.
Konkret: Nur, wenn ich anerkenne, dass ich als Kind nie geliebt wurde, sondern ständig in Angst und Todesgefahr war, kann hieraus eine Art von Empathie mit sich selbst erwachsen, die anders als die bisherige Verleugnung zu heilen vermag.
Die Lösung lautet: Ja, ich bin zutiefst verletzt; ja, ein Teil von mir ist noch ein kleines und hilfloses Kind. Ein Kind, dass aber dennoch alle Liebe der Welt – vor allem meine eigene – verdient hat, und überhaupt nur nachzureifen vermag, wenn ich Ja sagen kann. Ja zu seiner und also meiner Bedürftigkeit, zu meiner immensen Sehnsucht nach Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit.
Jede Krise wird uns wieder dazu bringen, auf alten Gleisen zu fahren. Wenn man einen Menschen wirklich von Herzen liebt, die Beziehung aber in eine existentielle Krise geraten ist, haben traumatisierte Menschen in Summe zwei Optionen.

1.

Da ihre Liebesfähigkeit und ihr Mut zu lieben traumatisiert und also zu Tode geängstigt sind, sie sich diese eigene Not und vor allem Bedürftigkeit aber nicht eingestehen können, da sie sonst auf einer Ebene verletzbar würden, die für sie Todesangst meint, reagieren sie mit kindlicher Bockigkeit, Stolz, dem erlernten Selbsthass und neuerlicher Abspaltung von sich selbst. Erneut trennen sie sich seelisch von ihrem inneren, traumatisierten Kind, das sich nach Liebe sehnt, aber Todesangst hat. Todesangst vor Nähe, in der sie mehr als ihre Rolle sind, die ihnen Sicherheit gibt und dennoch das Leben zerstört. Sie spalten dessen narzisstische Bedürfnisse, die allein zu Nachreifung und dem Anwachsen der eigenen Liebesfähigkeit führen könnten, ab. „Ich habe Dich nie geliebt“, „Ich fand Dich noch nie attraktiv“, „Eigentlich war das von Anfang an nichts“ sind dann die Sätze, die der in ihrer Seele noch aktive Selbsthass sie dem Partner zu sagen aufzwingt. Der Selbsthass, der den alten Missbrauch repräsentiert, und nun zu neuem Missbrauch wird. Denn erneut verraten sie, um sich zu schützen, ihre wahren Bedürfnisse und Potentiale, und setzen den Täter in sich gegen das Opfer ins Recht.
Tatsächlich aber war ihre Liebe real. So real sogar, dass ihr traumatisierter Anteil sich aus der Deckung und also „ins Leben“ gewagt hat. Und da er zutiefst verängstigt und verletzt und seine Realität nach wie vor verbogen und verzerrt ist, sabotiert dieser traumatisierte Anteil mit der Zeit die Beziehung; denn das, diese „destruktive Art“ von Liebe, die ihren Ursprung in Ohnmacht und Liebesillusionen hat, ist die einzige Art Liebe, die er bisher zu lernen vermocht hat.
Er will dann den Partner bspw. beherrschen, wird manipulativ; oder er vermeidet Selbstbehauptung und Auseinandersetzung aus Angst vor Verlassenwerden und Liebesentzug. Aber gerade die Tatsache, dass eine Beziehung, diese Muster reaktiviert, bedeutet, dass das hilflose Kind sich ins Leben getraut hat. Wer es liebt, wirklich zu lieben begonnen hat, der sucht sich Beziehungen, die so tief und authentisch sind, dass dies überhaupt möglich erscheint. In Anerkennung seiner Sehnsucht nach Spiegelung, Zärtlichkeit, Geborgenheit und Entwicklung lässt er sich auf keinen Eisblock, Täter oder empathiefreien Menschen mehr ein, sondern bindet sich an Partner, die liebesfähig sind. Und er verrät seine eigene Hilflosigkeit auch nicht in der Krise und wenn also sein traumatisierter Anteil, um nachreifen zu können, furchtbare Fehler begangen und die Beziehung fast ruiniert hat.

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2.

Das aber ist womöglich der schwerste Schritt „ins Leben zurück“: In der Not, von Zweifeln, Selbsthass und Stolz zerfressen, den Schutzschildern wider die eigene Verletztheit, Bedürftigkeit, Sanftheit und Sehnsucht im Herz ausgeliefert, immer die Stimme im Kopf „Ich schaffe das allein, ich brauche niemanden; ich bin nicht bedürftig, ich gehe jetzt!“ – in diesem Moment nicht auf das Alte, die Illusionen, das Muster und also Trauma zu hören, sondern Verantwortung zu übernehmen auch und vor allem für das Verdrängte, Verleugnete, Abgespaltene und also Ja zu sagen zur eigenen Todesangst.

Und dann zum Partner zu gehen und gegen die alten Programme die wirkliche Wahrheit hinter der Scheinrealität zu verantworten und sagen: „Ich bin so unglaublich tief verletzt und in meiner Liebe und Liebesfähigkeit erschüttert und traumatisiert. Der eine Teil in mir, der traumatisierte Teil, will sich unterwerfen, er will, dass ich mich aufgebe, um Dich zu binden und auf diese Art die Krise vermeintlich zu meistern. Der andere, der Überlebensanteil, ist stolz und rät, einfach zu gehen – da ist nichts, was es verdient, zu warten und in diesem Warten zu leiden für nichts und wieder nichts. Er sagt: ‚Es funktioniert doch sowieso alles nicht, geh einfach, geh, Du brauchst niemanden, geh!‘ Aber die Wahrheit ist eine ganz andere: Ich will weder meine Liebe verleugnen noch mich selbst. Ich will mich nicht unterwerfen, sondern Dir auf Augenhöhe begegnen und wachsen mit Dir. Und ich will nicht aus Angst vor Verletzung das verraten, was ist, und bockig einfach gehen. Ich bin so tief verletzt und habe nun zum ersten Mal Kontakt zu meiner eigenen Hilflosigkeit und Bedürftigkeit – und ich habe ganz real, hier und jetzt, Todesangst, das zu offenbaren und mich zu öffnen für Dich. Aber ich möchte es doch versuchen – versuchen, ob Liebe möglich ist, obwohl ich bin, wie ich bin. Meiner Liebe und dem Leben willen. Weil wir nur so beieinanderbleiben und uns gemeinsam weiter entwickeln können. Wenn ich nicht mehr weglaufe vor mir – meiner Liebe und Sehnsucht nach Dir, dem Leben und dahinter: mir.“

Es waren reale Schmerzen, die ich beim Sprechen erlebte. Reale Todesangst. Die Spaltung war für einen Moment überwunden. Alles war auf einmal da und daher zum ersten Mal wirklich real. Kraft, Mut und Angst. Liebe und tiefste Angst davor, wirklich zu lieben – mit Haut und Haaren, ohne Schutzschild, sondern ganz.
Und – wider alle Erwartungen – brachte mich der andere nicht um, wie mir das das alte Muster suggeriert hatte: „Wenn Du Dich wirklich mit allem öffnest, was Du bist, wirst Du sterben; niemand liebt Dich, wie Du bist, niemals!“. Im Gegenteil: Durch den Schleier meiner Angst und Tränen blickte ich in zutiefst gerührte und bewegte Augen, die ebenfalls Tränen vergossen. Und erlebt zum ersten Mal in meinem Leben, was wirklich Liebe ist; dass ich ich sein kann ohne zu sterben. Mit 39 Jahren war ich zum ersten Mal „ganz“, wirklich ich.

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Die Beziehung ging dennoch zu Ende. Und es sind nun schon viele Wochen, in denen ich von Schmerzen, Ängsten, Schuldgefühlen, Selbsthass und anderem heimgesucht werde. Ich spaziere, vollständig erschöpft, durch die Stadt. Und auf einmal fließen die Tränen und versiegen für Stunden nicht mehr. Ich liege nachmittags im Bett und beobachte die Welt und plötzlich habe ich starke Schmerzen, die kommen, bleiben und nach einiger Zeit wieder gehen.

Wo nimmt man die Kraft her, aus Liebe zum Leben und also Wachsen und Werden, Ja zu sagen auch zu diesem Leiden, Sterben und Tod? Ich habe sie aus der Liebe zu einem anderen Menschen geschöpft, die mir – nach so vielen Jahren – den Weg aufzeigte, mich selbst wirklich einzulassen, erleben, kennenzulernen und nachzureifen. Meinem traumatisierten inneren Kind seine Bedürfnisse eben nicht mehr wut- und hassentbrannt aus der Hand zu schlagen und meine Seele damit wieder in das Gefängnis der inneren Einsamkeit, Verzweiflung und Depression zu sperren.
Mein Wille und meine Fähigkeit, die tiefe Schönheit einer anderen Seele zu sehen, hat mir den Mut geschenkt, nicht nur zu geben, sondern auch zu nehmen; und nicht nur zu nehmen, sondern auch zu wachsen durch dieses Geschenk, das zu geben so viele zuvor gar nicht in der Lage gewesen sind.
In meiner Liebe und meinem Vertrauen für sie habe ich mich selbst zu lieben und mir zu vertrauen gelernt.

Nun ist die Beziehung vorbei. Und ich leide. Aber nun kann ich hoffen und glauben: dass, was in den wenigen wirklich tiefen und wahrhaftigen Büchern steht, wahr ist: dass nur das Ja zu diesem Tod, den ich nun sterbe, die Transformation und Nachgeburt erlaubt und daher ein Ja zum Leben, zum Wachsen meiner Erkenntnis, Weisheit, Lebendigkeit und Liebesfähigkeit meint. Den Mut aufbringen, zu sagen: das ist „Wachstumsschmerz“ – endlich kommt alles bisher Ungefühlte zu Bewusstsein und damit ins Leben und die Verantwortung zurück.

Andere leben um zu sterben. Ich sterbe um zu leben. Eines Tages scheibe ich hierzu ein Gedicht.

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Weiterlesen:

Franz Ruppert: „Das Trauma der Liebe
Andrew Vachs: „Du trägst das Heilmittel in Deinem eigenen Herzen

Weiterschauen:

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Das Trauma der Liebe


nach Prof. Franz Ruppert

Bei einem Symbiosetrauma – oder auch „Trauma der Liebe“ – erleidet das Kind ein Trauma, weil seine naturbedingten kindlichen Bindungsbedürfnisse von der Mutter nicht ausreichend befriedigt werden.

Die kindliche Bedürftigkeit nach der Liebe seiner Eltern, nach Geborgenheit, Zugehörigkeit, Nähe, Wärme und Körperkontakt werden nicht gestillt oder die Mutter kann die Signale, die das Kind aussendet, nicht feinfühlig beantworten. Sie kann sich nicht in das Kind einfühlen und weiß einfach nicht, welche Bedürfnisse und Not das Kind gerade verspürt und befriedigt haben muss. Sie bemüht sich nach allen Kräften, das Kind zu beruhigen, merkt aber selber nicht, dass sie sich den gefühlsmäßigen Bindungsbemühungen des Kindes innerlich verschließt. Je mehr es weint, schreit, unruhig und fordernd ist, desto stärker zieht sich die Mutter gefühlsmäßig zurück und baut eine immer größere Distanz zum Kind auf. Diese innere Distanzierung kann so weit gehen, dass die Mutter zwischen sich und dem Kind ein Mauer aufbaut, durch die keinerlei Gefühle mehr hin- und herfließen können.

Ganz egal, was das Kind unternimmt, ob es sich still zurückzieht, ob es seine Angst zeigt, ob es wütend ist oder ob es weint oder unruhig ist, es erhält nicht die liebevolle, verständnisvoll zugewandte Reaktion seiner Mutter, die es bräuchte, um sich bei ihr sicher und geborgen zu fühlen.

Das Kind fühlt sich:

  • alleingelassen
  • nicht geliebt und abgelehnt
  • einsam und verlassen und
  • hat eine enorme Wut auf die Mutter, die aber unterdrückt werden muss

Die Folgen des Symbiosetraumas sind:

  • extremes Rückzugsverhalten
  • unterdrückte Wut
  • unterdrückte Trauer
  • Tendenz zur Selbstaufgabe
  • Verlassenheits- und Einsamkeitsgefühle
  • Todesangst
  • Aufgabe des Vertrauens in sich selbst

Aufgrund ihrer eigenen Traumatisierung ist die Mutter nicht in der Lage die Signale des Kindes richtig zu erkennen und kann sie deshalb auch nicht angemessen und feinfühlig beantworten. Unbewusst hat sie Angst davor sich dem Kind gefühlsmäßig zu öffnen, da sie befürchtet im Kontakt mit dem Kind von ihren eigenen Traumagefühlen überflutet zu werden. So stellt das Kind für die Mutter mit seinen Bindungsforderungen wie Weinen und Rufen eine ständige Quelle von psychischem Stress dar. Durch die Bindungsbedürfnisse ihres Kindes wird die Mutter an ihr eigenes inneres abgespaltenes, weggeschobenes und traumatisiertes Kind erinnert.

Den Zustand der Bindungslosigkeit kann ein Kind nicht lange ertragen, da die seelischen Schmerzen unerträglich sind. Um diese emotional unerträglichen Situationen zu überleben, hat die Psyche die Fähigkeit, die traumatischen Gefühle abzuspalten und Illusionen zu entwickeln. Das Kind beginnt die Mutter zu idealisieren und malt sie sich und die Kindheit in rosaroten Farben aus. Es passt sich an die Persönlichkeit der Mutter an, an ihre Wünsche, ihren Willen, ihre Sichtweisen, ihr Denken, ihre Werte und ihre Überlebensstrategien.

Mit der Abspaltung der Symbiosetraumagefühle (Unruhe, Ohnmacht, Wut, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Trauer, Einsamkeit, Todesanst) beginnt die Psyche des Kindes nun mit der Entwicklung eigener Überlebensstrategien und -anteile.

Folgende Merkmale zeigen die Überlebensanteile:

  • sie sichern das Überleben in der Traumasituation
  • sie überwachen die seelischen Spaltungen
  • sie verdrängen und leugnen das Trauma
  • sie ignorieren und lenken ab
  • sie kontrollieren die traumatisierten Anteile
  • sie kontrollieren andere Menschen
  • sie suchen nach Kompensationen
  • sie erzeugen Illusionen
  • sie sind unterwürfig und latent aggressiv
  • sie erzeugen weitere Spaltungen

Die Überlebensanteile des Kindes übernehmen nun die Führung in seinem Leben: Das Kind fühlt sich selber schuldig, von der Mutter abgelehnt zu werden. Es kann nicht verstehen, warum die Mutter ihm die liebevolle Zuwendung nicht gibt und sucht die Schuld hierfür bei sich selbst. Es lehnt die eigene Abhängigkeit, Bedürftigkeit und Schwäche ab und versucht nun groß und stark zu sein, damit es nicht zu einer Last für die Mutter wird. Um den eigenen Schmerz des Verlassenseins nicht zu spüren, wird es wütend über sich selber.

Um sich doch noch Zugehörigkeit, Halt und Orientierung zu sichern, beginnt die Psyche unbewusst nach alternativen Bindungsmöglichkeiten an die Mutter zu suchen.Eine Möglichkeit, an das ersehnte Ziel zu kommen besteht darin, die eigenen inneren Grenzen immer weiter zu öffnen. So verlagert es sein inneres Zentrum immer weiter nach außen, um sich so tiefer in die Psyche der Mutter einzufühlen. Der Preis für die Ausweitung der psychischen Grenzen ist der Verlust des Kontaktes zu sich selbst. Das kann soweit gehen, dass es sein eigenes Selbst aufgibt. Über diesen Weg kommt das Kind mit den abgespaltenen Traumagefühlen der Mutter in Kontakt. Die Überlebensanteile des Kindes fühlen sich von der Stärke der abgespaltenen Gefühle der Mutter wie magisch angezogen.

Diese ursprünglich für die Mutter überwältigenden Traumagefühle können so stark sein, eine so magnetische Anziehungskraft besitzen, dass sie das Kind völlig überschwemmen können. Ist das Kind erstmal ganz gefangen und emotional verstrickt in den symbiotisch negativen Gefühlen, so ist es fast unmöglich, einen gesunden Kontakt zu sich selber aufrechtzuerhalten. Diese negativen Emotionen der Mutter nehmen die Seele des Kindes fast völlig in Besitz. Es kann dann nicht mehr unterscheiden, welche Gefühle gehören zu mir und welche Gefühle gehören zur Mutter.

Der Preis für diese negative symbiotische Bindung an die ins Unbewusste abgeschobenen Gefühle der Mutter ist also die Aufgabe des eigenen Selbst.

Je massiver das Traumaerlebnis war, desto stärker sind auch die Überlebensanteile und die Überlebensstrategien. Der Überlebensanteil ist lebensrettend nach der traumatischen Situation, denn er ermöglicht nach dem Traumaereignis das Überleben. Werden die Überlebensstrategien auch dann noch aufrechterhalten, wenn die traumatische Situation schon längst vorbei ist, dann können sie zu einer enormen Entwicklungsblockade werden.

Denn der Überlebensanteil verleugnet das Trauma, vermeidet Erinnerungen daran, ignoriert und lenkt ab. Er akzeptiert die Realität nicht und kann aggressiv reagieren, wenn jemand von außen seine Vorstellungen in Frage stellt. Er verhindert das Erkennen der Realität, die gefühlsmäßige Wahrheit und Klarheit. Aus diesem Grunde ist es für eine gesunde und stabile Persönlichkeitsentwicklung notwendig, dass die Trauma-Schutzmechanismen vorsichtig und Schritt für Schritt abgebaut werden, sobald die ursprünglich bedrohliche Situation vorbei ist.

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Weiterlesen: http://www.franz-ruppert.de/index.php/de/downloads/send/17-gehaltene-vortrge-deutsch/154-das-trauma-der-liebe-stuttgart-2015

Wege zu Heilung und Transformation: https://www.klett-cotta.de/buch/Systemische_Therapie/Symbiose_und_Autonomie/12563

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