Journalistisches...

Die Ossi-Verachtung


Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke widerspricht der Analyse von Götz Eisenberg zum „autoritären Charakter“ im Osten der Republik.

von Jens Wernicke

Nun ja, ich biete jedem Autor und jeder Autorin im Rubikon stets aufs Neue an: „Nein, wir zensieren Menschen mit anderen Positionen nicht, wir diskutieren Dinge aus, vorausgesetzt, sie werden in guter Absicht vorgetragen und sind von humanistischem Geiste beseelt. Wenn Dir also etwas nicht gefällt, dann spar Dir bitte den ‚Das, was der da denkt, ist unpublizierbar, schmeißt den sofort raus!‘-Spruch, sondern schreibe das auf, was Du meinst, und wir veröffentlichen es als Replik. So arbeiten wir hier. Von Demokratie nicht nur reden, sondern sie auch leben und vorleben, bei aller Kraft, die das jeden von uns immer wieder einmal kosten mag.“ Dieses Recht nehme ich mir nun auch selbst einmal heraus – denn insbesondere ein Artikel unserer Samstags-Ausgabe zu den Machenschaften der AfD hat mich wirklich geärgert. Und zwar derjenige vom von mir hoch geschätzten Götz Eisenberg, dessen Arbeiten wichtig und in aller Regel über die Maßen klug und geistreich sind.

Weiterlesen: https://www.rubikon.news/artikel/die-ossi-verachtung

Standard

11 Gedanken zu “Die Ossi-Verachtung

  1. Ute Plass schreibt:

    „Ossi-Verachtung“ konnte ich in keinster Weise dem Beitrag von Götz Eisenberg
    entnehmen und auch keinen, „auf dem Reißbrett entworfenen ‚archetypischen Ostdeutschen‘. Was Götz Eisenberg zum „autoritären Charakter“ schreibt habe ich auch nicht als Spezifikum des Ostens der Republik aufgefasst.
    Wäre es nicht sinnvoll, lieber Jens Wernicke, wenn Sie das direkte Gespräch mit
    Götz Eisenberg suchten?

  2. marie schreibt:

    ich bin in der ddr aufgewachsen
    ich bin kritisch gegenüber jedem autoritären machtmißbrauch: er ist ein übles gift, dass ich verweigere – ganz besonders wenn es mit dem slogan „ist doch nur zu deinem besten“ verabreicht wird und ich gleichzeitig entmündigt werde, weil es nicht nach meinem „geschmack“ ist – mir keine einsicht in die „bittere medizin“ (durch aufklärung und hinterfragungen) zu meinem „besten“ ermöglicht wird – ja, sogar experimentell zu beobachten ist, dass derjenige der es mir verorndet es selbst nicht nimmt … ich spare mir die ausschmückung meiner genauen beobachtungen, da ich annehme, jeder weiß, was ich meine.
    eine massenhaft-aufständige kritik gegenüber der ddr hatte NIEMALS etwas mit dem wunsch nach einem „anschluß“ an die gegebenheiten der brd/nato zu tun! … er wurde jedoch zu einer völlig ungewünschten realität gemacht (ohne jede bevölkerungsbefragung) >>> dies war die demaskierung bis hin zu neuen – niemals für möglich gehaltenen kriegsbeteiligen und sozialen verwerfungen in unvorstellbaren ausmaß (für die höhnisch auch noch dankbarkeit erwartet wurde, jedoch immer stärker die massive ungerechtigeit und chancenlosigkeit – ohne geld und kapital – eingefordert wurde.) PUNKT.

    zu merkels „alternativlosigkeit“ für diese situation schlug die widerständige gründung einer „alternative“ punktgenau ein.
    das die afd KEINE wirklich gute alternative anbietet, ist der mehrheit sonnenklar – doch sie bietet „immerhin“ einen strohhalm als lückenfüller für alle massiven versäumnisse und fehlentscheidungen = einen widerpart dazu, der jedoch geschickt von sehrsehr konservativen WEST-KADERN installiert wurde … ja natürlich gerade im osten … hat damit das thema „ost“ überhaupt ins gespräch gebracht >>> und wurde politisch-medial mit der keule „nazi“ pauschal interpretiert und jedes wort genau in diesem sinne aufgespürt oder verdreht (wesentlich schlimmere worte der „demokratischen parteien der brd“ aus den 50er bis 80er jahren wurden „vergessen gemacht“ … was jedoch NICHT funktionieren konnte und nur die heuchelei und scheinheiligkeit bestätigten)

    wer konnte oder wollte sich eine bürgerbewegung wie 1989 wie in der ddr HEUTE vorstellen? ich bin der meinung, das DIES die pure angst der mächtigen eliten ist (siehe gelbwesten in frankreich)

    >>> andererseits sind die masken gefallen, auch wenn die machttreue presse ihr „bestes“ mit kosmetischen tricks versucht: ihr glaubt (innenpolitisch) eh keiner mehr

    und doch gewinnen die alternativen (medien und projekte) immer mehr anhänger – ein öffentliches angebot ist die afd – aber es gilt die ANDEREN, ebenfalls vorhandenen, zu stärken … und zwar nicht nur in alleiniger abgrenzung zu tönen aus der afd … doch wo ist DIESE KRAFT????

    für mich bleibt der dreiklang „freiheit-gleichheit-brüderlichkeit“ untrennbar … vielleicht ist auch die haltung zum frieden der kleinste gemeinsame nenner, der uns nicht spalten sollte – auch wenn einzelne positionen sehr unterschiedlich sein können?

    menschen pauschal nach „gruppen“zugehörigkeit/kontakten – welcher art auch immer – einzuteilen, sollte sich JEDER verbieten, wenn dies von AUSSEN mit dem zeigefinger geschieht und nicht als freies selbstbekenntnis von „brüderlich-freier-gleicher selbstbestimmung“ … und ja, sogar völlig unzuordenbare individualisten soll es geben^^ >>> das ist die zukunft von vielfalt und schönheit und emanzipation = lebendige toleranz als mögliche bereicherung/abgrenzung und wirklichem verstehen … dazu braucht es keinerlei mächtige führer und keine ängstliche herdenbildung, sondern angstfreie selbstverantwortung aller: auch und vor allem dafür steht der osten deutschlands – ohne den götzen GELD, der die geburtsurkunde der arroganz im westen war und ist … doch wer möchte schon seinen eigenen schlechten und verdorbenen charakter öffentlich zur schau stellen, wenn es auch „anders“ geht … mit feindbild-pflege zur ablenkung und selbstberuhigung

    >>> doch man merkt vor allem das nonverbale – das zwischen den zeilen und worten, da sind die ossis profi und das nimmet ihnen KEINER … hmmm

  3. Ute Plass schreibt:

    @MARIE: „….doch man merkt vor allem das nonverbale – das zwischen den zeilen und worten, da sind die ossis profi und das nimmet ihnen KEINER …“

    Da das „nonverbale“ vieldeutig sein kann, erachte ich es als notwendig, sich zu vergewissern, ob das, was mannfrau vermutet, auch das ist, was die Person gemeint hat. Sehr hilfreich, wenn einem daran gelegen ist, mögliche Missverständnisse auszuräumen. 🙂

  4. marie schreibt:

    @ ute plass
    natürlich sollten alle an einer kommunikation beteiligten daran interesse haben, dass die mißverständnisse durch nachfragen ausgeschlossen werden.
    jedoch bedeutet dies ja nicht, dass es keine vorsätzlichen lügen und verwirrungen gibt.

    seine intuition kann man schulen – und die ddr war dafür eine ganz gut schule und wurde in kunst/musik/literatur auch intensiv dargeboten und verstanden.

    wie plump hingegen heute mit kontroversen umgegangen wird, ist beschämend zu beobachten.

  5. Ute Plass schreibt:

    @MARIE: „…..jedoch bedeutet dies ja nicht, dass es keine vorsätzlichen lügen und verwirrungen gibt.

    Sicher, dies ist ja eine allgemein bekannte Tatsache. Doch verstehe ich nicht, wieso Sie diese im Zusammenhang mit dem Beitrag von Götz Eisenberg anführen?

  6. marie schreibt:

    @ute plass

    es ging mir vor allem um eine vertiefung zum widerspruchstext von jens wernicke – DA finden sie vielleicht einen zusammenhang? ich teile seine meinung und habe dies versucht zu beschreiben. warum? weil, weil mir die augenzeugen meine beobachtungen authentisch bestätigen und die vogelperspektive von west auf ost – zwar bekannt und viel verbreitet, aber langweilig, lückenhaft und falsch ist. vielleicht sollte er sich den den republikanern oder den nsu-morden auf westlichem territorium widmen – darüber gibt es wenig infos.

    ps. es geht NICHT um die person, sondern um den inhalt!

  7. Ute Plass schreibt:

    @MARIE – Wie Sie meinem ersten Kommentar entnehmen können verstehe ich den
    Text von Götz Eisenberg nicht aus einer Haltung der ‚Ossi-Verachtung‘, die Jens Wernicke meint beim Autor Eisenberg herauszulesen. Neige vielmehr zu der Lesart, die Wernicke selbst in seinem Beitrag hier hervorhebt, dass ihm daran gelegen ist, dass die Rubikon-Beiträge, in guter Absicht vorgetragen und von humanistischem Geist beseelt sind.
    Mir ist hier nicht an einer Stellvertreter*innen-Debatte gelegen
    und halte es daher für sinnvoller, wenn Wernicke in ein direktes Gespräch mit Eisenberg eintreten würde, da über den direkten Austausch leichter eine Vertrauensbasis entstehen und mögliche Fehlinterpretationen korrigiert werden können. Schließlich wiegt der Vorwurf von Wernicke an den, von ihm, „hochgeschätzten Götz Eisenberg „, schwer, wenn er diesem sagt:
    „Ihre Analyse ist eine der „kalten Vernunft“, die laut Bloch die Welt kaum besser zu machen vermag, da ihr die Liebe, das Mitgefühl und wirkliches Verständnis abgehen.“

  8. marie schreibt:

    @ute plass

    gibt es nicht IMMER mehre möglichkeiten der kommunikation – götz eisenberg schreibt öffentlich in einem medium ohne kommentarfunktion.

    jens wernicke hat einen eigenen blog – und er darf natürlich ganz frei selbst entscheiden, was er dort veröffentlicht bzw. nicht (also „privat“ erwidert).

    sie haben ja ihre meinung dazu geschrieben.

    ich wiederhole mich = ich stehe voll inhaltlich zu wernickes erwiderung. die ich für sehr angemessen halte – schon ganz allein nach der dreißigjährigen medialen flut gegen die menschen im osten („ewig-gestrige, jammerossis, undankbare …bis jetzt zu „nazis“ …)

    „Alle Ossis sind gleich betreuungsbedürftig; sie raffen es nicht. DER SPIEGEL muss es ihnen erklären wie einem betreuungsbedürftigen Kind. Es ist ein bekannte Ton: So hätte man im wilhelminischen Deutschland über Deutsch-Südwest geschrieben, dort im fernen Afrika, wo die Menschen schwarz sind, Hottentoten heißen, nackt herumlaufen und auf die Beglückung durch die Kolonisatoren warten. Man könnte es betreuenden Journalismus nennen. Dabei ist es der westdeutsche Journalismus, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass es nach der Wiedervereinigung zu einer Spaltung in Ost und West gekommen ist. Denn die Haltung „kluger Wessi – dummer Ossi“ zieht sich durch die mediale Geschichte der Wiedervereinigung. Dabei kommt der Ossi nicht gut weg. Dass jetzt Misstrauen gegen westdeutsche Medien und Politik tatsächlich eine breite Basis finden – überraschend?“

    so sieht es die afd-affine stimme von tichy + er trifft den nerv damit
    https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/medien-und-die-ossis-die-geschichte-einer-radikalisierung/

  9. Ute Plass schreibt:

    @MARIE – Nein, das Misstrauen, welches Sie ansprechen, überrascht mich nicht.
    Die einseitige, oft herablassende Art und Weise der Berichterstattung, über die in Ostdeutschland lebenden Menschen (und das seit drei Jahrzehnten), empört mich nicht weniger als Sie . Ich kann gut nachvollziehen welche Kränkungen und Verletzungen solche abwertenden Sichtweisen auslösen können und finde es auch wichtig, dass diese artikuliert und beachtet gehören.

    Dass Jens Wernicke hier sein Nichteinverstandensein und seinen Ärger über Götz Eisenbergs Analyse zum Ausdruck bringt, stellt für mich kein Problem dar. Allerdings halte ich es für nicht in Ordnung aufgrund eigener Verletzungsgefühle den Autor Eisenberg sehr persönlich zu attackieren. Das ist es, was ich hier versuche zu vermitteln. Wernicke greift Eisenberg als Person an, indem er ihm unterstellt, dass diesem Mitgefühl, Liebe, Verständnis abgehen.
    Ich gehe davon aus, dass Wernicke und Eisenberg imstande sind, sich direkt
    über ihre unterschiedlichen Sichtweisen zu verständigen. Wenn nicht, wäre eine moderierende Begleitung sicherlich lohnend. 🙂

  10. marie schreibt:

    @ute plass

    „Allerdings halte ich es für nicht in Ordnung aufgrund eigener Verletzungsgefühle den Autor Eisenberg sehr persönlich zu attackieren.“

    hmm …

    die hier von ihnen zitierte „ordnung“ verstehe ich als ein anderes wort für „privat-meinung“ – oder worauf beziehen sie sich?

    wie gehen sie denn mit verletzungsgefühlen um? runterschlucken? tztzt … für die eigene verantwortung für die psychohygiene sehr gefährlich …

    jens wernicke wurde ja nicht persönlich angegriffen – sondern viel schlimmer: eisenberg hat ein gruppen-pauschales menschenbild konstruiert (was schon allein für sich grund genug für widerspruch JEDES lebendigen menschen sein müßte!) und seinen namen darunter gesetzt

    bevor wir uns weiter im kreis drehen, würde ich unsere unterschiedlichen meinungen zu diesem thema gern zum abschluß feststellen und es dabei belassen.

    schade, dass INHALTLICH von ihnen nichts zum thema gekommen ist … doch ja: AUCH über die form kann man streiten . übrigens völlig unabhängig vom jeweiligen thema

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