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Kapitalismus im Kopf


Über die Menschenfeindlichkeit der AfD wird medial viel diskutiert. Und über jene radikaler Linker, die so frech sind, zu behaupten, dass Reichtum töte und deswegen dringend die Eigentumsfrage zu stellen sei. Wer aber redet über die Zunahme des Hasses in der gesellschaftlichen Mitte? Und wer über die alltägliche, beständig wachsende Menschenfeindlichkeit der großen Politik? Darüber, dass selbige immer deutlicher und öfter inhumane Praxen und Einstellungen hervorbringt und legitimiert? Kaum irgendwer. Bis auf einige kritische Psychologen, die sich auf einem im März in Berlin stattfindenden Kongress der „Politik der Menschenfeindlichkeit“ entgegenstellen wollen. Jens Wernicke sprach mit Klaus-Jürgen Bruder, dem Vorsitzenden der veranstaltenden Neuen Gesellschaft für Psychologie.

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Standard

Ein Gedanke zu “Kapitalismus im Kopf

  1. Hella-Maria Schier schreibt:

    In der gesellschaftlichen Mitte meine ich nicht so sehr Hass zu erkennen, als eine allgemeine Abgestumpftheit, Gleichgültigkeit und Unlust im Zusammenhang mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Frappierend erscheint dabei oft das Fehlen von jeglichem Verantwortungsgefühl über das eigene Ich (und evtl. seiner Erweiterung durch die Familie) hinaus. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – aber das war es dann auch. Man hat sich durchgeboxt, steht auf eigenen Beinen, kann die eigene Existenz materiell sichern ohne auf andere angewiesen zu sein, , liegt niemandem auf der Tasche.Somit ist man ein erwachsener mündiger Bürger.
    Alle Ansprüche, die sonst noch an einen herangetragen werden könnten, scheinen eher optional, eine Frage der Neigung, des Geschmacks.
    Sich beispielsweise für Politik zu interessieren und sich zu informieren um als „mündiger Bürger“ im demokratischen Prozess Stellung beziehen und Entscheidungen treffen zu können, empfindet kaum jemand als verpflichtend.
    Wenn man „Lust auf Politik“ hat, tut man es, ansonsten lässt man es ohne die geringsten Gewissensbisse bleiben.Man interessiert sich für Meerwasseraquarien, Samba, veganes Kochen oder Politik. Letztere ist auch nur eines unter vielen Hobbies, entweder hat man Bock darauf oder nicht.Der Unterschied ist jedoch, dass man in der Gesellschaft sehr gut ohne Samba oder Aquarienszene leben kann, ohne Politik jedoch nicht, man benutzt ihre Infrastruktur, man richtet sein ganzes Leben in ihrem Bezugsrahmen ein. Mehr oder weniger gestaltet man sie mit oder wird gestaltet. Wenig bewusst ist dabei, dass man sie auch dann mitgestaltet, wenn man angeblich unpolitisch ist. In diesem Fall verstärkt man die gerade dominierenden Kräfte. Selbst Diktatoren legen Wert darauf, dass Volk im Wesentlichen hinter sich zu wissen und lassen sich das viel Propaganda kosten, weil sie wissen, das sie sich sonst nicht auf Dauer halten können.
    Den Bürgern ist der Einfluss und die Macht und damit Verantwortung, die sie eigentlich haben, wenig bewusst und sie werden von der Politik natürlich nicht daran erinnert. Mich erschreckt oft die Arroganz, die mit der demonstrativen Interesselosigkeit einhergeht. Es gilt als cool, egoistisch zu sein und bei allem nur zu fragen, wieviel finanziell für einen persönlich herausspringen kann und ob es der Karriere nutzt. In größerem Rahmen denkt man nicht, hat man doch sein Soll als vollzeitbeschäftigter Bürger erfüllt, wenn man „niemandem auf der Tasche liegt“.
    Das reicht für das soziale Gewissen: man ist dann besser, „als die Schmarotzer, die staatliche Hilfen beziehen“. Das mancher Arbeitslose in einer politischen Initiative oder mit Ehrenamt der Gesellschaft vielleicht nützlicher ist, als ein Vollzeitbeschäftigter in einem kommerziellen Call-Center oder in der Rüstungsindustrie, diese Überlegung wird nicht angestellt. Gut ist, was dem System nutzt und das ist alternativlos.
    Bei alledem halte ich die Kampagne, die derzeit gegen die Bürger praktiziert wird für kontraproduktiv und gefährlich. Wenn man will, dass die Bürger am politischen Prozess teilnehmen und sich verantwortlich fühlen, muss man auch mit ihnen reden und sich mit ihren Äußerungen auseinandersetzen, selbst wenn sie einem nicht gefallen. Man muss ihren Informationsstand bedenken und man muss ja nicht zustimmen. Diffamierend gemeinte Floskeln wie „Wutbürger“ und „besorgte Bürger“ – das geht gar nicht!
    Dergleichen wurde, wie der „Verschwörungstheoretiker“ ,vermutlich von denjenigen auf uns losgelassen, die den Abbau der Demokratie vorantreiben wollen.
    Solche Schöpfungen bleiben über den aktuellen Anlass hinaus im (Unter-) Bewusstsein haften und suggerieren, der Bürger dürfe generell weder Sorgen noch Wut äußern, über was immer auch die Politik beschließt.
    Linke und alle Demokraten überhaupt müssten gegen solche Wendungen protestieren. Zudem treiben diese die Bevölkerung, wenn nicht in die Lethargie, den rechten Parteien zu. Und sie lösen Hass aus!!

    .

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