Journalistisches...

Wann ist der Mensch ein Mensch?


Der „Fall Mollath“ sorgte im letzten Jahr bundesweit für Aufsehen. Gustl Mollath war jahrelang als „irre“ klassifiziert und zwangspsychiatrisiert worden – bis klar wurde, dass seine angeblichen Wahnvorstellungen bezüglich Schwarzgeldtransfers bei der Hypo-Vereinsbank offenbar doch der Wahrheit entsprachen und das Bundesverfassungsgericht seine Freilassung verfügte. Die Geschehnisse um Mollath zeugen von beängstigenden Zuständen im Kontext der deutschen Psychiatrie. Mollath selbst warnte auf einer Veranstaltung in Bayreuth denn auch unlängst direkt und unmissverständlich vor der ihr: „Bisher konnte ein Bürger, vielleicht Lieschen Müller, in Deutschland glauben, sowas passiert mir nicht. Das sind ja relativ seltene Einzelfälle, die hier erscheinen und auftreten. So ist es leider Gottes nicht. (…) Mittlerweile ist die ganze, angeblich zivilisierte Welt von Psychiatrisierung bedroht.“ Damit kritisiert er nicht etwa nur die psychiatrische Zwangseinweisung, die ihm selbst widerfuhr.Seine Kritik zielt in aller Deutlichkeit auch auf den Umstand, dass in Deutschland inzwischen eine Millionen Menschen aufgrund psychiatrischer Diagnosen „unter Betreuung“ stehen und ihr Leben teils nicht mehr allein verantworten dürfen. Jens Wernicke sprach hierzu mit Stefan Baufeld. Der promovierte Jurist und vormalige Referent für Rechtspolitik der Linksfraktion im Hessischen Landtag vertritt als Anwalt Klienten, die dagegen kämpfen, wegen angeblicher psychischer Erkrankungen zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen oder unter Betreuung gestellt zu werden.

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Fremdes...

Letzte Gedanken vor der Geburt


Wenn ich jetzt da rausgehe,
werde ich in Kategorien einsortiert,
sie werden mich mit Drogen
versorgen, Politik, Krediten,
Liebe. Gras wird wachsen
über allem und gemäht werden.
Ich werde über weise Lügen lachen.
Wenn ich jetzt da rausgehe,
werde ich Eltern haben,
die so nicht geplant waren.
Ich werde nichts zu verlieren haben.
Ich suche mir als Schule
einen Herbstwald, als Zukunft
Meerblick und als Heimat
einen Punkt zwischen den Augen.
Ich werde alle Fehler machen.
Wenn ich jetzt da rausgehe,
werde ich die Flüche meiner Kinder ertragen.
Ich werde schreien und atmen
und tun, was ich nicht lassen kann
in dieser Welt. Kein Honorar
und kein Mitleid werde ich erwarten,
wenn ich jetzt da rausgehe.
Ich nehme nicht an Blutbädern teil.
Wenn ich jetzt da rausgehe,
werde ich leere Hände haben.
Ich werde nichts als Leben haben.
Ansonsten wäre ich tot.

Aus: Hendrik Rost: „Der Pilot in der Libelle: Gedichte

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Deutsche Eliten setzen auf aggressivere Außenpolitik, Militarisierung und Krieg


Die deutsche Außenpolitik setzt nicht erst seit den Geschehnissen in der Ukraine, die unter anderem zu einer offenen Unterstützung faschistischer Kreise durch deutsche Regierungsvertreter zum Ziele der Übernahme der Ukraine in den europäischen Einflussbereich führten, auf Militarisierung und „Bereitmachung“ für den Krieg. Bereits 1992 erklärte der damalige Verteidigungsminister Volker Rühe in einem Spiegel-Interview die planmäßige Art und Weise, mit der die wiedervereinigte Bevölkerung Deutschlands auf kommende Kriege eingestimmt werden solle: “Deswegen müssen wir Schritt für Schritt vorgehen. Es geht auch nicht darum, die Soldaten, sondern die ganze Gesellschaft auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. Bei Blauhelm-Einsätzen ist das schon gelungen: Zwei Drittel der Bevölkerung stimmen zu.” Inzwischen fordert der amtierende Bundespräsident Gauck bereits in aller Deutlichkeit, Deutschland müsse endlich noch “entschlossener” vorgehen, um den globalen “Ordnungsrahmen (…) zu formen” – woraufhin BILD umgehend jede Kritik hieran verunglimpft –, während die Bundeswehr längst schon offen dafür wirbt, zur Sicherung deutscher Handelswege verstärkt das Militär einzusetzen. Für die Nachdenkseiten sprach Jens Wernicke mit Horst Teubert, Geschäftsführer und Redakteur von german-foreign-policy.com, einem Nachrichtenportal für Informationen zur deutschen Außenpolitik.

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