Fremdes...

Ein „Ja“ zur Lebendigkeit


Wenn jemand alleinstehend oder in einer „toten Beziehung“ lebt, „gelingt“ die Verdeckung des Traumas – oftmals zu Lasten der Vitalität. Viele Menschen suchen dann einen Lebensberater auf, um die Probleme wieder „wegzumachen“, beispielsweise wenn sich […] Empfindungsschwäche oder Beziehungsprobleme bemerkbar machen. Wie Arno Gruen in seinem Vortrag „Anpassung als Sucht“ zutreffend beschreibt, „gehen die meisten Menschen aus dem irrigen Grund in Therapie, um von ihrer Menschlichkeit befreit zu werden, weil sie sie als Behinderung empfinden, und nicht etwa, um diese Empfindungen zu bewahren“.

Der Wunsch, dem Lebendigen zu entgehen und damit auch der Gefahr von Retraumatisierungen, drückt sich oftmals in dem Streben nach einer „himmlischen“ Beziehung aus. Hierbei handelt es sich nicht um einen Himmel, den man sich gemeinsam erarbeitet, sondern um ein Ideal, das dem Betreffenden wie Tauben im Schlaraffenland in den Mund fliegen soll. Om C. Parkin hat diese Verklärung in seinem Mahnvortrag zum Thema „Tristan und Isolde“ auf wunderbare und zutreffende Weise beschrieben.

Gerade traumatisierte Menschen suchen sich häufig einen Partner, um dem Elend ihrer Einsamkeit zu entgehen und miteinander auf Wolken zu schweben, statt sich mit ihm gemeinsam ehrlich und authentisch auf den Weg zu machen, um den Weg zum Himmel freizuschaufeln.

Geschieht innerhalb einer konfliktreichen Beziehung keine Trauma-Arbeit, erleben die Beteiligten oftmals ein Wechselspiel von „Himmel und Hölle“: Beide Partner träumen von ihrem „Traumpartner“, projizieren ihren Kinderhimmel in die Beziehung hinein, beschwichtigen alles Ungelöste, bis die Spannung zwischen Ideal und Realität untragbar geworden ist. Dann kommt es zu „dem bösen Auslöser“ und auf einmal bricht das Gewitter los, das zwar vorübergehend reinigt, aber nicht dauerhaft transformiert.

Andere wagen sich gar nicht in feste Beziehungen hinein, damit ihre Traumata ja nicht angetastet werden. Kennzeichnend für unsere Zeit (und oftmals auch für Traumatisierungen) ist das verstärkte Auftauchen der ewigen Femme Fatale und des ewigen Don Juan: Wenn diese Traumtänzer nach der anfänglichen Verliebtheit aus dem 7. Himmel stürzen und „die Masken fallen“, denken sie, die falsche Person als Partner aufgelesen zu haben und suchen meistens schnell nach dem nächsten Partner, getreu dem Motto: „Beim nächsten Mann/der nächsten Frau wird alles anders!“

Nach dem Gesetz der gegenseitigen Anziehung gibt es [aber] keinen „falschen“ Partner. Das, was wir in einer festen Beziehung erleben, Krise, Streit, Herausforderungen, auch Langeweile, ist eigentlich gesünder als wir denken. Es ist der Beginn eines Heilsweges, der nicht angestrebt würde, würde das Paar nicht mit seinen Beziehungsthemen konfrontiert werden.

Weiterlesen: Die Dreiteilung im Trauma nach Ruppert

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