Fremdes...

Die Angst vor der Liebe


Liebe hat Risiken und Nebenwirkungen. Wer sich öffnet, wird verletzlich. Und das mögen wir oft nicht. Denn es macht Angst. Schnell schützen wir unsere wunden Punkte wieder und gehen schon mal vorsorglich zum Gegenangriff über. Doch als das Leben uns die Heilmittel „Beziehung“ und „Liebe“ verschrieben hat, stand von Streit und Hader nichts in der Packungsbeilage. Ein Interview mit den Paartherapeuten Vibhuti Uzler und Ananda Coordes.

Redaktion: Wie kann man denn eigentlich Angst vor der Liebe haben, Liebe ist doch so etwas Wunderbares, ist Fließen, Aufgehobensein?

Vibhuti: Meint man. Viele Menschen haben aber gelernt, dass Liebe etwas kostet, dass Liebe damit verbunden ist, dass ich viele meiner Gefühle unterdrücken muss, dass ich nicht ich sein darf, dass es keinen Platz gibt für meine Wut. Liebe macht auch Angst, weil man an alte Geschichten erinnert wird, wenn man sich öffnet und die Kontrolle aufgibt. Anziehung bedingt Nähe und durch die Nähe werden unsere wunden Punkte berührt. Da in unserer Kindheit Liebe nie etwas Eindeutiges, sondern immer mit Ansprüchen verbunden war, kommt natürlich in Beziehung auch wieder die Angst hoch, sich zu verlieren, dass der andere einem die Freiheit raubt oder dass man verstoßen, verraten und belogen und fallen gelassen wird – dass also die Liebe aufhört. Es gibt eine Menge Menschen um die 30 oder 40, die in ihrem Leben noch nie eine längere Beziehung geführt haben. Das hat sicher auch damit zu tun, dass bei diesen Menschen die Angst groß ist, dass der andere einen so heftigen Einfluss auf sie hat, dass sie sich selbst verlieren. Daher bleiben sie lieber allein. Sie verweigern damit eine Erfahrung, die sie heilen könnte, denn eine echte Beziehung würde bedeuten, sich dieser Angst wieder auszusetzen, und das ist oft eine zu große Hürde.

Ananda: Das Problem ist eigentlich unser Beziehungsmodell. Liebe wird oft mit einem Gefühl der Sicherheit, der Bestätigung, der Geborgenheit verwechselt. Und wenn es das auf einmal nicht mehr gibt, dann ist auch die Liebe weg. Wenn Menschen noch nie bedingungslose Liebe erfahren haben und sie kommen dann zusammen und meinen, die Liebe müsste jetzt einfach so geschehen, dann erwächst daraus ein Problem. Beziehung ist da, um sich als Mensch zu entwickeln. Was am Anfang einer Beziehung ist, darf man nicht mit Liebe verwechseln. Liebe entsteht vielleicht im Laufe einer Beziehung. Beziehung ist ein Experimentierfeld. Die anfängliche Anziehung zwischen zwei Menschen ist der Köder, damit sie sich überhaupt auf dieses Experimentierfeld begeben.

Weiterlesen: http://www.sein.de/archiv/2008/mai-2008/die-angst-vor-der-liebe.html

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