Fremdes...

Die Liebe ist ein Kind der Freiheit


„Im Unterschied zu den Quanten gibt es für uns Menschen eine zusätzliche Möglichkeit, tragen wir eine weitere Sehnsucht und Bestimmung in uns: Wir können das Zusammenspiel von Freiheit und Verbundenheit erkennen und so bewusster, und das heißt: auch intensiver und freudvoller verwirklichen. Ohne dieses Bewusstsein können die beiden anderen Sehnsüchte nicht wirklich erblühen. Dieses Buch vertritt die Idee, das schon die bisherige, aber mehr noch die künftige Menschheitsgeschichte letztlich davon bestimmt ist, inwieweit es Menschen gelingt, diese drei Potentiale von Freiheit, Verbundenheit und Bewusstsein zu verwirklichen.“

Maik Hosang: Die Liebe ist ein Kind der Freiheit, S. 11

„Von den vielen Gedanken, die uns Platon von Sokrates überliefert hat, wählen wir einige aus seiner Schrift Gastmahl oder Gespräch von der Liebe aus. Wie nebenher erwähnt Sokrates darin, dass er sein Wissen über die Liebe vor allem Diotima, einer weisen Frau, verdankt.

Es ist nun also Eros von solcher Beschaffenheit und Herkunft, und die Liebe ist, wie du sagst, auf das Schöne gerichtet. Wenn nun aber jemand uns fragte: Inwiefern ist denn die Liebe auf das Schöne gerichtet, o Sokrates und Diotima? – was würden wir ihm antworten? Doch ich will es noch deutlicher ausdrücken: Wer des Schönen begehrt, was ist dem dabei der eigentliche Zweck seines Begehrens?
Dass es ihm zuteil werde, war meine Antwort.
Diese Erwiderung, wandte sie ein, bedarf einer neuen Frage: Was wird denn dem damit zuteil, welchem das Schöne zuteil wird?
Auf diese Frage, gestand ich, habe ich durchaus nicht mehr sogleich eine rechte Antwort zur Hand.
Nun, erwiderte sie, wie, wenn jemand statt des Schönen das Gute setzte und dich dann fragte: Wohlan, Sokrates, wer das Gute liebt, was begehrt der eigentlich damit?
Dass es ihm zuteil werde, war meine Entgegnung.
Und was wird jenem zuteil, dem das Gute zuteil wird?
Das, erwiderte ich, kann ich leichter beantworten: er wird glückselig.
Denn durch den Besitz des Guten, fügte sie hinzu, sind die Glückseligen glückselig. Und nun bedarf es nicht mehr der weiteren Frage: Was erstrebt derjenige eigentlich damit, welcher glückselig zu sein wünscht? Sondern hier scheint die Antwort am Ziele angelangt zu sein.

Maik Hosang: Die Liebe ist ein Kind der Freiheit, S. 22f.

„Das Wort „Liebe“ wird heutzutage für sehr viele verschiedene Dinge, Gefühle und Beziehungen verwendet, das macht es nötig, kurz darüber nachzudenken. Die Ausführungen bis hierher machen deutlich: Liebe ist in ihrer eigentlichen Qualität dort und nur dort vorhanden, wo Menschen aus freier Entscheidung das Da-Sein und das So-Sein eines anderen oder anderer innerlich und äußerlich bejahen und unterstützen.“

Maik Hosang: Die Liebe ist ein Kind der Freiheit, S. 27

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Die Freiheit ist ein Kind der Liebe


für Esther und Lucie

„Wenn jedes Lebewesen nur lebendig ist und entwicklungsfähig bleibt, solange es aus sich selbst heraus etwas entwickelt, was wir bei uns selbst als ein Bedürfnis oder ein Motiv bezeichnen und was nichts anderes heißt als dass es etwas (leben, wachsen, sich vermehren) will, dann sollte sich auch erkennen und herausarbeiten lassen, woher dieses Bedürfnis kommt, wie es sich herausbildet und auf welche Weise und mit Hilfe welcher Strategien es gestillt werden kann.“

Gerald Hüther: Die Freiheit ist ein Kind der Liebe, S. 12

„Vielleicht ist die Liebe in Wirklichkeit eine Suche, vielleicht sind Liebende einander Suchende, die etwas von der Suche des anderen, von seinem Ringen nach Ganzheit erahnen. Vielleicht ist Liebe eine Suche nach der Offenheit für das in uns, was größer ist als wir selbst, von dem wir abgeschnitten sind durch unser Begehren, unsere Angst und unsere von anderen übernommenen Vorstellungen und Wünsche. Vielleicht ist Liebe eine Suche nach sich selbst, nach einer in uns selbst verborgenen Kraft, oder nach dem anderen und einer in ihm oder ihr verborgenen Kraft. Wenn Liebe als eine solche Suche verstanden wird – so verschwommen unsere Vorstellung von dieser Suche auch sein mag –, geht es in der Liebe nicht um die Befriedigung definierter, objektivierbarer und messbarer Bedürfnisse. Liebe wäre dann vielmehr ein Prozess des Werdens, ein Prozess der Entfaltung und der Entwicklung von Menschen in der Wechselwirkung ihrer Beziehung. Vielleicht ist Liebe also so etwas wie ein Motor für die Koevolution des Menschen, ein Prozess, in dem sich Menschen wechselseitig die Erfüllung und Verwirklichung ihrer tiefsten Sehnsucht in Aussicht stellen.“

Gerald Hüther: Die Freiheit ist ein Kind der Liebe, S. 16

„Um zu verstehen, weshalb so eine innere Bewegtheit angestoßen wird, müsste man herausfinden, was einem Menschen, der sich in einen anderen verliebt, dabei wirklich bedeutsam ist. Die etwas ernüchternde Antwort auf diese Frage lautet: er hofft, in dem anderen etwas zu finden, was ihm selbst fehlt. Wer in diesen Zustand des Verliebtseins gerät, ist also eigentlich ein Bedürftiger: er erhofft sich Nähe und Verbundenheit, Anerkennung und Zuwendung, Bedeutung und bisweilen sogar Sinngebung seiner eigenen Existenz durch einen anderen Menschen. Und je stärker die betreffende Person bisher unter dem Mangel an all dem gelitten hat, desto intensiver erlebt sie dieses Gefühl der Verliebtheit, wenn sie einem anderen Menschen begegnet, der ihr geeignet erscheint, diese eigenen ungestillten Sehnsüchte zu stillen. Das erzeugt eine starke Anziehungskraft und ein entsprechend starkes Gefühl, das noch weiter gesteigert wird, wenn das Objekt der Verliebtheit, also der oder die andere, die gleichen Sehnsüchte in sich trägt und ebenfalls in der Beziehung zu stillen hofft.
So verleiht die Verliebtheit einer Beziehung eine bisweilen enorme Intensität, aber nicht zwangsläufig auch Stabilität. Denn die Verliebtheit verwandelt sich sehr schnell in Ernüchterung, womöglich sogar Ablehnung und Hass, wenn das Objekt der Verliebtheit sich als ungeeignet erweist, die in sie oder ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen.
Liebe ist [aber] etwas [ganz] anderes. Liebe ist kein Gefühl. Liebe ist eine innere Einstellung, zu der manche Menschen über den Zustand der Verliebtheit finden. Das gelingt freilich nicht allen, denn es setzt voraus, dass der oder die andere irgendwann nicht mehr als Objekt zur Überwindung eigener Bedürftigkeit benutzt wird.
Es setzt voraus, dass man von dem Partner nichts erwartet, dass man ihn oder sie nicht länger zur Überwindung der eigenen Bedürftigkeit benutzt. Lieben kann deshalb nur jemand, der selbst mit beiden Beinen im Leben steht, der nicht mehr an seinem ungestillten Bedürfnis nach Verbundenheit einerseits und nach autonomer freier Lebensgestaltung andererseits leidet. Ein Liebender kann deshalb nur werden, wer in seinem Leben Gelegenheit hatte zu erfahren, dass er so, wie er ist, gemocht wird, dass er dazugehört und gleichzeitig autonom und frei sein darf. Um ein Liebender werden zu können, muss man also zumindest als Kind selbst [wirklich] geliebt worden sein [und eine sichere Bindung erfahren haben].
Diese Erfahrung wird im Frontalhirn verankert und kann später in der engen Beziehung zu einem anderen Menschen erneut aktiviert, verstärkt und dann auch für sich selbst bewusst gemacht werden. So entsteht aus den dabei in der präfrontalen Rinde gleichzeitig aktivierten und dabei miteinander verkoppelten emotionalen und kognitiven Netzwerken eine durch eigene Erfahrung heraus geformte innere Haltung oder Einstellung, eben die eines beziehungsweise einer Liebenden.
Diese Haltung bestimmt die Bewertungen, lenkt die Aufmerksamkeit und steuert das Denken, Fühlen und Handeln der betreffenden Person, also auch ihr Verhalten. Personen, die diese Haltung eines oder einer Liebenden heraus geformt haben, schaffen sich selbst auf diese Weise immer wieder Erfahrungsräume, in denen ihre Haltung durch entsprechende Erfahrungen weiter verstärkt wird. Wenn das in einer Partnerschaft beiden Lebenspartnern gelingt, bilden diese gemeinsam gemachten Erfahrungen die Grundlage einer stabilen Paarbeziehung, in der jeder der beiden Partner immer wieder neu fühlt und erkennt, dass er in dieser Beziehung beides gleichzeitig sein darf: zutiefst verbunden und absolut frei.“

Gerald Hüther: Die Freiheit ist ein Kind der Liebe, S. 52f.

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Journalistisches...

„Demokratie ist, was die Eliten darunter verstehen“


Elitenforscher Michael Hartmann über den Glauben der Eliten, besser zu wissen, was gut für das Volk ist.

Weiterlesen: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39358/1.html
Alternative Version: https://www.neues-deutschland.de/artikel/829030.die-ignoranz-der-oberen-tausend.html

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Downloads und mehr...

Video: Kampagnen, die auf Sprache abzielen


Am 20.10.2011 saß ich zusammen mit Wolfgang Lieb von den Nachdenkseiten auf der Couch. Aber nicht etwa beim Psychiater, sondern auf der Konferenz „Soziale Bewegungen und Social Media“ des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) in Wien.

Im Ankündigungstext der Verstaltung heißt es: „Kampagnen der Arbeitgeber, die auf Sprache zielen // Wir diskutieren, → wer → warum → wie solche Phrasen wie «sozial ist, was Arbeit schafft» im Zuge einer gezielten Kampagne (Pleonasmus) als möglichst allgegenwärtigen Sermon durchsetzt, mit dem jede Kritik abgeschmettert werden kann, Debatten erstickt und Maßnahmen durchgesetzt werden.“

Die Aufzeichnung der Veranstaltung möchte ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten. Mein PR-Berater bittet nur darum, darauf hinzuweisen, dass ich inzwischen 15 Kilo weniger „leicht“ bin ;).

Also dann…:

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Seelisches...

Wege aus Depressionen und Angst


„Man kann einen Menschen nichts lehren,
man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“
(Galileo Galilei)

„Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund war für mich,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das Gesunden Egoismus,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.“
(Charlie Chaplin in „Als ich mich selbst zu lieben begann„)

Immer mehr Menschen entwickeln, gehäuft etwa ab der Mitte ihrer Lebensjahre, Ängste, Depressionen undoder andere „seelische Störungen“, wie es auf Neudeutsch so schön heißt.
Oft sind es Menschen, die schon immer sehr unruhig waren, Menschen, die sehr sensibel undoder aufmerksam undoder sehr besorgt und bemüht um andere waren.
Und immer – auch wenn die Betroffenen selbst es nicht mehr wissen oder nicht wahrhaben wollen – sind es Menschen, die in ihrer Kindheit Entbehrungen erleiden mussten, nie wirklich sichere Bindung und bedingungslose Akzeptanz erfahren durften; Menschen, denen schon früh Angst eingejagt wurde, welche sich in ihrem Körper und Habitus dann verfestigt und als Lebensmuster manifestiert hat.
Menschen, die so etwas wie „erlernte Hilflosigkeit“ ihr eigenen nennen, und zwar insofern, als dass sie nie gelernt haben, wirklich sich selbst und ihre Bedürfnisse zu fühlen; nie gelernt haben, dass sie und ihre Interessen richtig und wichtig und auch durchsetzbar sind.
Fabio Volo beschreibt das, dieses An-Sich-Selbst-Über-Jahre-Vorbeileben bis man es vielleicht eines Tages einmal bemerkt, bis man aufwacht und etwas hiergegen tut, in seinem Buch „Einfach losfahren“ sehr treffend, indem er Folgendes formuliert:

„Ich suchte nicht nach Veränderungen, sondern nach Beständigkeit. Meine Entscheidungen waren vollkommen von dieser Angst geprägt, und wer Angst hat, trifft nie Entscheidungen, die Ausdruck seiner Gefühle sind. Sie sollen einzig und allein die Angst in Schach halten und beruhigen. Ich wollte stets alles unter Kontrolle haben. Ich wollte steuerbare Situationen, auf der Arbeit, in Freundschaften, in Beziehungen.“

Auch ich habe über Jahre und Jahrzehnte so funktioniert, war mir meines goldenen Käfigs jedoch niemals bewusst. All der „weißen Flecken“, die es in meiner Wahrnehmung gab, sowie der Tatsache, dass viele – selbstschützende und -fördernde – Verhaltensoptionen von Beginn an ganz nicht erst denkbar waren, weil sie, versteckt hinter aller Angst sich durch allerlei Rationalisierungen dem Leben und der Option, wirklich gelebt zu werden, entzogen.
In meinem Gedicht „Inkognito“ habe ich das zu beschreiben versucht: Wie jemand tut und tut und immer denkt, in Freiheit zu handeln, bis er dann eines Tages, lange Zeit später erst, erkennt, dass diese Freiheit nicht viel mehr als die Wahl zwischen verschiedenen selbstschädigenden Verhaltensweisen, welche die alte, unbewusste Angst, einem aufnötigte, also eben keine Freiheit, sondern faktisch Gefangenschaft war.
Manfred Spitzer erklärt diese Zusammenhänge in einem Fernsehbeitrag dabei besser und klarer als sie die meisten Psychologen bis heute verstehen können undoder wollen:

Die Konsequenz aus dieser Perspektive lautet wie folgt: Reden, Denken oder gar Tabletten zu nehmen – all das nützt, wenn überhaupt, nur gegen die Symptome des Problems, nicht aber gegen das Problem selbst.
Wer wirklich frei sein will – und hier erinnere ich nur an Erich Fromms brillantes Werk “Die Furcht vor der Freiheit” –, der hat, das Spitzer’sche Bild der schwimmenden Ratten stellt es einleuchtend dar, nur eine Option: Zurück zum Anfang zu gehen, wieder zum Start, zum Ausgangspunkt – zurück auf Null.
Das meint: Langsamer werden, lange Zeit nichts mehr oder nur noch sehr wenig tun, und dann das Fühlen neu erlernen und all das zulassen, was hiermit verbunden – die Verhaltenstherapeuten sagen bspw. “Brückengefühle” hierzu – dann kommt.
Seinen Gefühlen und Impulsen – was man früher nie konnte und durfte und was daher neuronal auch noch gar nicht angelegt ist – vertrauen lernen und diesen dann folgen.
Lernen, lernen, lernen also – lernen, wie in Ruhe und ohne Stress und Druck und ohne Abtötung der Symptome, die den Weg aus der Problematik weisen, das Leben selbst einem aufzuzeigen beginnt: Hier geht es lang. Lerne, um im Bild zu bleiben, nun Schwimmen ohne diese alte Angst; und dann Laufen ohne sie. Lerne, dass Du selbst glücklich sein kannst und darfst – und erlaube Dir das.
Das ist ein langer, ein harter und ein schmerzhafter Weg. Aber wer „frei“ sein will, so wie ich, dem bleibt nur diese eine Option: Der muss Millimeter für Millimeter den goldenen Käfig der alten Angst verlassen und seine Handlungsspielräume allmählich erweitern hierbei.
Das ist es auch, was das Leben von uns erwartet, und bei dessen Nichterfüllung es uns sanktioniert: Es erwartet, dass wir uns entfalten, dass wir wachsen und gedeihen, dass wir immer größer, freier, bunter, tiefer, weiter und selbstständiger werden; und immer mehr „wir selbst“ – jender Mensch also, als der wir (eigentlich) gemeint gewesen sind.
Wer diesen Weg nicht gehen will, das beobachte ich leider allerorts, wer einfach „so weiter machen“ will oder muss, weil er seine eigene Not nicht in ihrer Gewordenheit zu ergründen und begreifen vermag, den ereilen mit den Jahren immer mehr seelische oder körperliche Leiden, den ereilen beispielsweise Tinnitus, Migräne, Krebs oder gar Multiple Sklerose, um nur einiges zu benennen.
Denn wer den goldenen Käfig der Angst nicht sukzessive „sprengt“, der lebt ein Leben, das nicht das seine ist – eines, in dem es keine wirkliche Wahl gen und Entwicklung hin zu wirklichem Wachstum und echter, freier Entwicklung gibt; und damit lebt er ein Leben, dass lebensfeindlich ist, und dies auch mit allen ihm möglichen Symptomen auszurücken und ihn somit auf „den Weg der Tugend“, nämlich „zu sich selber“, zurückzuzwingen versucht.
Vergessen wir die Ärzte und Psychologen, die meinen, wir hätten eine unheilbare „Stoffwechselkrankheit“ undoder müssten uns halt mit oder in unserem Leiden (nur) zu arrangieren lernen. Wahr ist: Diese „Stoffwechselkrankheit“ ist eine durch frühe, traumatische Erfahrungen organisierte neuronale Struktur, die uns früher half, am Leben zu bleiben, und der wir heute „beizubringen“ vermögen, dass sie, so, wie sie ist, nicht mehr sinnvoll und notwendig ist.
Daher: Lernen wir um, verändern wir „unser Gehirn“. Auf in die Freiheit, denn dorthin weht der Wind!
Kaum ein Mächtiger hat Interesse daran, dass es mehr und mehr Menschen gibt, die „Nein!“ sagen können, die sich trauen, sie selbst zu sein, die fühlen können und noch Mitgefühl haben; die sich selbst schützen und aus dieser starken Position heraus dann für andere stark sind. Kein Mächtiger hat Interesse hieran – aber wir, WIR haben es! Machen wir uns also auf den Weg…:

„Vergiß die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, mißachte das Unglück, zerlach den Konflikt. Beweg dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird“, heißt es diesbezüglich bei Handke so treffend wie schön.

Lesetipps:

– Frankfurter Rundschau vom 1. November 2012: Schule: Angst vor Mathe kann schmerzen
– Gerald Hüther, Uli Hauser: Jedes Kind ist hoch begabt: Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen

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Journalistisches...

Schluss mit PISA!


Gewerkschaft streitet über PISA-Kritik. Wolfram Meyerhöfer, Professor für Mathematikdidaktik, erklärt, warum es bei den Pisa-Tests nicht um Wissen, Bildung oder Verstehen geht.

Weiterlesen: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39307/1.html
Alternative Kurzfassung: http://www.jungewelt.de/2013/06-13/044.php

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Journalistisches...

»Soziale Projekte lenken von echten Problemen ab«


Wo öffentliche Kassen leer sind, prägen an Schulen zunehmend private Stiftungen Aktionen etwa für Kriegsflüchtlinge. Gespräch mit Sabine Kruse.

Weiterlesen: http://www.jungewelt.de/2013/06-12/025.php
Alternative Version: https://www.neues-deutschland.de/artikel/824196.unsozialer-sozialer-tag.html

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Fremdes...

Wege zum Glück


1.

Was für die Menschen gut oder schlecht ist, stellt für Fromm keine abstrakte philosophische Frage dar, sondern eine ganz konkrete: Was uns wirklich glücklich macht, ist auch gut für uns. Das Erleben von Glück, und nicht etwa von Lust, ist nach Fromm somit ein Hinweis auf ein allgemein menschliches Gut. Lust taugt nicht als Kriterium, da zum Beispiel ein Faschist Lust erleben kann, wenn er andere unterdrückt. Für Fromm führt somit die spontane Selbstbejahung in der Liebe und im kreativen Tätigsein zu Selbstverwirklichung und psychischem Wachstum, was die beste Voraussetzung für das Glück darstellt. […]
Eine der wichtigsten und zugleich schwierigsten Herausforderungen, die einem auf dem Weg zur Freisetzung des wahren Selbst begegnen, ist die Akzeptanz und der Ausdruck abgelehnter Gefühle. […]
Gefühle können als Instrumentarium angesehen werden, mit dem der Organismus ausgestattet ist und das es ihm erlaubt, ohne Rücksicht auf den Verstand, der ohnehin immer alles besser weiß, Ereignisse zu bewerten. Emotionen sind somit das Ergebnis eines organismischen Bewertungsprozesses, der eigentlich von größter Wichtigkeit sein sollte. Wenn wir den menschlichen Organismus mit einem Flugzeug vergleichen und den Verstand mit dem Piloten, dann sind die Gefühle die Warnlämpchen und Anzeigentafeln, mit denen sich der Pilot jederzeit ein zuverlässiges Bild des momentanen Zustandes seines Flugzeuges verschaffen kann. Wenn nun die Nadel einer Anzeigetafel droht, in den roten Bereich vorzurücken, oder wenn eine Warnlampe aufblinkt, dann ist entsprechendes Handeln notwendig, um das Flugzeug wieder in die sichere Zone zurückzuführen. Genauso verhält es sich bei uns. […]
Wenn wir jederzeit auf unsere Gefühle und die damit verbundenen organismischen Bewertungsprozesse hörten, dann wären wir genau so, wie es unserem wahren Selbst entspricht. Wir wären ständig dabei, uns selbst zu aktualisieren und könnten uns immer so annehmen, wie wir wirklich sind. Leider mussten aber viele Menschen im Laufe ihres Lebens und insbesondere in der Kindheit und Jugend erfahren, dass sie so, wie sie sind, nicht immer geliebt und anerkannt werden. […]
Die Verinnerlichung solcher Beziehungsbotschaften und kritisierenden Zuschreibungen führt mit der Zeit dazu, dass sich beim heranwachsenden Menschen immer mehr eine Schere auftut zwischen dem, was er wirklich ist, und dem, was er denkt, dass er sein sollte. […]
Doch Selbstakzeptanz ist nur möglich, wenn man aufhört, sich etwas vorzumachen. Ohne Ehrlichkeit sich selbst gegenüber bestehen die Voraussetzungen nicht, um persönliche Eigenarten, Einstellungen oder Wünsche anzunehmen und sich als ganze Person zu bejahen. Häufig ziehen wir es aber vor, ein falsches Bild von uns zu zeichnen und dieses Bild anderen möglichst gut zu verkaufen. Im Kleinen ist das ganz harmlos und lustig, etwa wenn jemand über stadtbekannte Persönlichkeiten nur mit dem Vornamen spricht, wie das eine liebe Verwandte von mir tut, um den Anschein zu erwecken, als sei sie persönlich mit ihnen befreundet. Tragischer wird die Selbstbeleugnung jedoch, wenn ganze Lebensentwürfe und Selbstdefinitionen damit verbunden sind. […]
Wer sich weigert, sein eigenes Selbst ehrlich zu betrachten und immer wieder neu zu aktualisieren, wird [schließlich] Strategien der Absicherung, der Risikovermeidung, des Verhüllens und Verschleierns, des Anpassens und Vortäuschens, des Abwägens und Abwiegelns wählen, wenn er sich zu anderen Menschen in Beziehung setzt. Wer dagegen den Mut aufbringt, sich selbst so zu sehen, wie er ist, läuft weniger Gefahr, am eigenen Leben vorbeizuleben, als jemand, der hartnäckig an einem illusorischen und rigiden Selbstbild festhält. Die Aufrichtigkeit und die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber benötigen viel Mut, denn es ist nicht leicht, eine Illusion aufzugeben, wenn noch nicht klar ist, was denn an der Realität besser sein soll. Doch jeder Mensch trägt eine Art Vision eines gelungenen Lebens in seinem Herzen, und seine Gefühle weisen ihn untrüglich darauf hin, wenn er sich nicht systematisch darin trainiert hat, diesen Gefühlen gegenüber taub zu sein.

Andreas Dick: Mut. Über sich hinauswachsen; S. 160 – 167

2.

Eine entmutigende Erziehung zeichnet sich dadurch aus, dass dem Kind ein negatives Selbstbild vermittelt […] und gleichzeitig […] die Notwendigkeit vor Augen geführt wird, dass es noch einen weiten Weg zurücklegen muss, um die Anerkennung und Liebe der Eltern zu verdienen. Nicht immer muss diese Art der Erziehung so offen zutage treten wie bei Kafkas Vater. Tatsächlich ist Entmutigung in der Erziehung [jedoch] derart weit verbreitet, dass praktisch die gesamte herkömmliche Pädagogik von diesem Übel durchdrungen ist. Denn bereits die Vorstellung, dass ein Kind zu irgendetwas „erzogen“ werden muss, verrät eine Einstellung, die das Kind als defizitäres Wesen sieht. Das Kind soll durch geeignete pädagogische Maßnahmen verwandelt, umgeformt und möglichst gut an die Erwachsenenwelt angepasst werden.
Gegen eine solche Sichtweise von Erziehung, von der praktisch alle „zivilisierten“ Kulturen durchdrungen sind, zumindest aber die westliche Kultur seit der Aufklärung, hat sich mit aller Entschiedenheit der deutsche Antipädagoge Ekkehard von Braunmühl gewandt. Antipädagogik wendet sich gegen jegliche Vorstellung, dass Kinder zu irgendwas hin erzogen werden sollten. Die Antipädagogik versucht, die Er-ziehung des Kindes durch Be-ziehung zwischen Kindern und Erwachsenen zu ersetzen. Die Art dieser Beziehung zeichnet sich durch ständige Ermutigung des Kindes aus. […]
Weil die allermeisten Erwachsenen [jedoch] selbst eine Er-ziehung „genossen“ haben, wissen sie leider nicht, wie es sich anfühlt, wenn sie sich uneingeschränkt lieben und annehmen können. Statt sich die erlittenen Schädigungen durch Eltern und Lehrer einzugestehen und im Erwachsenenalter durch förderliche Beziehungen und Psychotherapie möglichst auszugleichen, befinden sich viele Erwachsene im Irrglauben, dies sei der natürliche Seinszustand, zu dem sie auch ihren eigenen Kindern verhelfen sollten. Statt die Trauer und Enttäuschung über mangelnde Ermutigung seitens der Eltern, denen sie vertrauten, zuzulassen und sich selbst als wertvolles und liebenswertes Wesen neu zu entdecken, werden diese Gefühle abgewehrt. Nun wird durch entsprechende pädagogische Ambitionen und Maßnahmen viel Energie darauf verwendet, bei den eigenen Kindern die gleiche Art der seelischen Verkrüppelung [wie bei sich selbst] herbeizuführen.

Andreas Dick: Mut. Über sich hinauswachsen: S. 247f.

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13 Hochschulen sind schon dabei: Mit Zivilklauseln keine Forschung mehr für Rüstung und Krieg?


Deutschland ist inzwischen drittgrößter Waffenexporteur der Welt und die Bundeswehr in immer mehr Auslandseinsätzen aktiv. Das wirkt sich auch auf Hochschulen aus. Um die Freiheit der Forschung, vor allem aber den Frieden zu schützen, ist in den vergangenen Jahren eine neue Bewegung aufgekommen. Sie versucht, Hochschulen mittels Zivilklausel auf zivile Forschung zu verpflichten – und verbucht zunehmend Erfolg.

Weiterlesen: http://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/zivilklauseln-fuer-hochschulen.php

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Demokratie als Standortnachteil


Liebe Freunde,

aus gegebenem Anlass veröffentliche ich hier einen älteren Text von mir, der am 19. Oktober 2010 bereits bei Telepolis erschien, erneut – diesmal aber in ungekürzter Fassung; in Originalform also, in der er bisher noch nicht veröffentlicht worden ist.

Beste Grüße,
Jens

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Blockupy: So war es nicht! Gegen die Ausgrenzung gesellschaftlicher Opposition durch Polizei und Teile der Medien


Wir, politisch und sozial aktive Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet und TeilnehmerInnen der Demonstration des Blockupy-Bündnisses am 01.06.2013 in Frankfurt am Main, sehen uns angesichts der Darstellung der Polizei und ihrer teilweise immer noch unkritischen Verbreitung zu einer Stellungnahme veranlasst. Wir widersprechen den Klischees, wonach die Polizei durch einige „Chaoten“ und „Randalierer“ gezwungen gewesen sei, Maßnahmen zur Herstellung von öffentlicher Ordnung, Gesetz und Sicherheit zu ergreifen. Auch wenn sich erfreulicherweise einige Tageszeitungen diesem Tenor nicht anschließen, entsteht vor allem durch Verlautbarungen der Polizei und deren unkritische Verbreitung in Teilen der Öffentlichkeit doch wieder dieses Bild. Aber es entspricht nicht den Tatsachen. Wir, die VerfasserInnen und UnterzeichnerInnen dieses Briefes, haben an unterschiedlichen Orten an der Demonstration teilgenommen und über Stunden das Geschehen direkt verfolgt und teilweise dokumentiert.

Wir halten fest:
– Der „schwarze“ Block war bunt.
– Die „Vermummung“ bestand vor allem aus Sonnenbrillen und Regenschirmen.
– Der unmittelbare Vorwand der Einkesselung von über 1000 Personen über insgesamt 9 Stunden war das Abbrennen von 3 bengalischen Feuern.
– Der Vorwurf der „passiven Bewaffnung“ ist aberwitzig und – wie Urteile aus Berlin bereits zeigen – unendlich dehnbar. Schon der Ausdruck „passive Bewaffnung“ verdreht die Tatsachen: ein Styropor-Schild beispielsweise ist ein Schutz, keine Waffe.
– Im Blockupy-Bündnis bestand erklärtermaßen Konsens, dass von den DemonstrantInnen keine Eskalation ausgehen sollte – entsprechend verhielten sich die DemonstrantInnen, und zwar sowohl außerhalb wie innerhalb des Polizeikessels.
– Dagegen war das Verhalten vieler PolizistInnen in hohem Maße übergriffig und unmittelbar körperverletzend.
– Polizeitrupps sind mehrfach (wie auch schon am Vortag) in die stehende Menschenmenge hineingestürmt und haben DemonstrantInnen überrannt und niedergeworfen.
– Vor unseren Augen ist Menschen ohne Vorwarnung, ohne Beteiligung an einer Rangelei o.ä. und ohne, dass eine Gefahrensituation vorgelegen hätte, Pfefferspray aus unmittelbarer Nähe direkt ins Gesicht gesprüht worden (über die Erblindungsrate der Pfefferspray-Wirkung wird derzeit diskutiert).
– Vor unseren Augen sind wehrlose DemonstrantInnen misshandelt worden, indem ihnen bspw. der Kopf nach hinten gezogen und Mund und Nase zugehalten worden ist. Einige brachen daraufhin zusammen. Sie sind nur Dank der Initiative von TeilnehmerInnen der Demonstration versorgt worden.
– Vor unseren Augen ist Menschen, die an Armen und Beinen zur Personalienfeststellung davon getragen wurden, von den sie tragenden Polizisten in die Seite und in den Unterleib getreten worden.
– Vor unseren Augen wurde Menschen der Hals verdreht und die Arme verrenkt..
– Vor unseren Augen erhielten Menschen, die sitzenblieben, als sie von der Polizei aufgefordert wurden, aufzustehen, ohne Vorwarnung Faustschläge mit Protektorenhandschuhen ins Gesicht.
– Die so vorgehenden PolizistInnen waren vermummt und insgesamt gibt es weder Namens- noch Nummerkennzeichnungen, so dass weder die Betroffenen noch wir als ZeugInnen die Möglichkeit hatten, diejenigen PolizistInnen zu identifizieren, die brutale körperliche Gewalt gegen Personen offenbar für ihre Dienstaufgabe halten.

Es geht hier nicht nur um das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstration. Darüber hinaus geht es um das Recht auf körperliche Unversehrtheit derjenigen, die sich für gesellschaftliche Veränderungen engagieren und demonstrieren. Auf der Demonstration insgesamt, und insbesondere unter den betroffenen Eingekesselten und Verletzten, finden sich viele junge Menschen, jene also, die bekanntermaßen von den aktuellen sozialen Entwicklungen in Europa (Stichwort Jugendarbeitslosigkeit) besonders hart getroffen sind. Diese jungen Menschen – und mit ihnen viele andere Demonstrierende – auf das Klischee der irrationalen Störer zu reduzieren, ist nicht nur konkret unangemessen, es ist insgesamt politisch fahrlässig. Es verunglimpft Menschen, die sich um die krisenhaften Entwicklungen in unseren Gesellschaften in Europa sorgen und die sich deshalb engagieren. Und es behindert und diffamiert die dringend notwendige gesellschaftliche Debatte über eine Neuausrichtung der europäischen Politik in der Perspektive sozialer Partizipation und demokratischer Inklusion.

Dr. Stefanie Hürtgen, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung Frankfurt am Main, Dr. Isolde Ludwig, Mitarbeiterin des DGB-Bildungswerks Hessen, Dr. Thomas Sablowski, Mitarbeiter des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa Luxemburg Stiftung, Dr. Nadja Rakowitz, Geschäftsführerin des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte, Kirsten Huckenbeck, Redakteurin und Lektorin, Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Frankfurt am Main, Bildungsreferentin, Dr. Margit Rodrian Pfennig, Goethe Universität Frankfurt am Main, Michael Hintz, Buchhändler und Lehrbeauftragter an der Europäischen Akademie der Arbeit und der Fachhochschule Frankfurt am Main, Michael Burbach, Frankfurt, Kristina Weggenmann, Diplompädagogin, Dr. Bernhard Winter, Mitglied des Vorstands des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte, Ralf Kliche, Lehrer an der Schule für Erwachsene Dreieich, Dr. Jürgen Behre, Maintal, Martin Dörrlamm, Sozialarbeiter Frankfurt am Main, Edgar Weick, Frankfurt, Hagen Kopp, Aktivist der Gruppe „kein mensch ist illegal“, Hanau, Katharina Vester, Frankfurt am Main.

Und: Auch der GEW-Landesvorsitzende Jochen Nagel wurde Opfer von Polizeigewalt! Mehr unter www.gew-hessen.de.

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Geschichten..., Journalistisches...

Blockupy


1.

Ich trage ein Schild um den Hals, auf dem ich für 500 Euro Eckregelsatz werbe. Ich laufe durch den immer größer werdenden bunten Haufen junger Menschen, die sich zur Demonstration versammelt haben. Die Sonne scheint. Die Stimmung ist gut. Ich habe ausgesprochen gute Laune. Ich passiere zwei junge Frauen. Die eine hat sich gerade Kaffee oder ähnliches über die Hose gekippt und sagt gerade zur anderen: „Mist, jetzt sehe ich doch aus wie ein Schwein.“ Dabei lächelt sie. Ihr Lächeln berührt mich. Ich bleibe stehen und schaue mir erst die Flecken auf ihrer Hose, dann sie und schließlich das Lächeln in ihrem Gesichte an. Dann sekundiere ich: „Aber ein hübsches Schwein.“ Und lächele selbst. Sie daraufhin, strahlend wie ein junger Sommertag, nur ein wenig schüchterner: „Danke schön“. Dann strahle auch ich. Und gehe weiter meiner Wege. Schön, wie einfach das Leben manchmal doch ist. Und wie schön.

2.

Öffentliche Sitzung des Innenausschusses des Hessischen Landtages. Der Innenminister verbreitet Dinge, die ich nicht als Wahrheiten zu bezeichnen vermag. Danach spricht der Einsatzleiter der Polizei. Er beamt Fotos an die Wand: Viele junge Menschen mit Regenschirmen, einige mit Sonnenbrillen, andere hochgezogenen Kapuzen von Kapuzenpullovern. Bei allen sieht man die Gesichter. Das Foto ist jedoch so dunkel gedimmt, dass man kaum irgendetwas wirklich erkennt. Der Einsatzleiter beschreibt dazu, ich zitiere sinngemäß: „Und hunderte solcher vermummter Radikaler waren in Frankfurt vor Ort!“ Ich murmele in meinen Bart, dass ich keinen Vermummten sehen könne und was an der Ausübung demokratischer Rechte denn linksradikal wäre. Aber ich darf nichts sagen. Nicht laut. Denn die Demokratie im Hessischen Landtag beschränkt sich auf das Rederecht für Repräsentanten und von diesen namentlich Herbeizitierte – sowie die Schweigepflicht für alle anderen. Dann ein Foto, um die Gewalt zu verdeutlichen, die von den Demonstrierenden für die öffentliche Ordnung ausging: Vielleicht zwanzig Polizisten mit Helmen, in schwarzer Monstranz, Knieschützern, Ärmelschützern, Knüppel- und Prügelmontur. Einer von ihnen hat eine weiß eingefärbte Hose weil er einen Luftballon voller weißer Farbe abbekommen hat. Da platzt mir der Kragen. „Da, da sind sie, die Vermummten“, rufe ich in den Raum – und die Hälfte der Anwesenden lacht mit mir mit. Immerhin. Wenigstens das also: Widerständig lachen kann man auch mit den Großkopferten. Zumindest mit einigen hiervon. Trotzdem lache ich lieber mit den Schweinen. Besonders den hübschen. Bin halt auch nur ein Mensch.

Mehr Infos (auch zur Solidemo am Samstag, den 8. Juni 2013) hier und hier. Und ein guter Artikel der FR zum Thema hier. Zitat: „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht, heißt es in einem Aufruf zur Demo am Samstag. DGB, SPD, Grüne und Linke solidarisieren sich.“

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Stipendien abschaffen – BAföG erhöhen und massiv ausweiten!


Stipendien waren – als Alternative zum BAföG und damit der Studienfinanzierung für alle – schon immer ein strukturell feudales Instrument. Nicht nur stammen sie aus einer Zeit, in der es kein Recht auf einen Studienplatz gab und „Dritte“ darüber entschieden, wem sie durch Verleihung eines Stipendiums, das Privileg von Bildung zukommen lassen wollten und somit von sich abhängig respektive sich gewogen machen wollten. Auch förderten sie junge Menschen stets überwiegend aufgrund ihrer vermeintlichen „Leistung“ und ignorieren dabei, dass diese durch soziale Herkunft immens mitbestimmt wird: Vorträge halten, klug daherkommen und reden, kurzum: die ganze Uni-Angst und der ganze Uni-Bluff, sie sind für ein Arbeiterkind eben deutlich schwerer zu überwinden bzw. „erbringen“ als für Kinder, in deren Kindheit derlei Teil des erzieherischen Allgemeingutes ist.

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