Fremdes...

„Versagen“


Eine Gefahr für das Kind kann auch die elterliche Liebe werden, die an bestimmte Wunschvorstellungen und Erwartungen geknüpft ist, wie das Kind sein oder sich entwickeln solle. […] [Diese] Liebe [ist dann] an die Erfüllung bestimmter Bedingungen gebunden, und das Kind, das […] [sie] nicht verlieren möchte, versucht, […] [das elterliche] Wunschbild von sich zu leben, und kann auf solche Weise an sich selbst und seinem eigentlichen Wesen völlig vorbeileben. Gelingt es ihm später nicht, sich davon frei zu machen und den Mut zu sich selbst zu entwickeln, wird es, wenn überhaupt, nur sehr schwer die Freude am Leben finden, die uns eigentlich zustehen sollte. […]

Natürlich wollen […] [die Eltern] auf ihr Kind stolz sein, aber wenn ein Kind das nur dadurch erreichen kann, dass es etwas leben muss, was nicht in seinem Wesen liegt, kann das katastrophale Folgen haben. Mancher bewusste oder unbewusste „Streik“, manches scheinbare Versagen des Kindes ist dann manchmal seine einzige Möglichkeit, sich dem Erfolgszwang zu entziehen. Aber diese Reaktion erspart es dem Kind nicht, sich selbst als den zu erleben, der enttäuscht oder versagt hat, was nur zu lösen wäre durch die Einsicht, dass solches Versagen ja nur dem aufgezwungenen Wunschbild gegenüber zutrifft – man kann von einem Apfelbaum [schließlich] keine Birnen erwarten.

Fritz Riemann: Die Fähigkeit zu lieben, S. 51f.

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